Berlin : BVG-Personalchef Schmidt-Kohlhas

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Das war ein großer Schritt vor fünf Jahren – von Stuttgart nach Berlin und von der Gewerkschaft ÖTV in den Vorstand eines großen Unternehmens wie den Berliner Verkehrsbetrieben. Verkehr und Energie waren zwar schon seit 30 Jahren sein Thema als Gewerkschafter, aber was für ein Kontrast vom Kopf einer kleinen Abteilung an die Spitze eines Unternehmens mit heute 11 000 Mitarbeitern und einer strikten Auflage zum Stellenabbau! Nach der Wende waren es 28 000 Mitarbeiter, in fünf Jahren sollen es 10 000 sein. Und das ohne betriebsbedingte Kündigungen bis 2020. Eine schwierige Balance zwischen den Interessen der Stadt und der Kunden sowie der Mitarbeiter.

Beachtliche 38,5 Millionen Euro pro Jahr werden bei den Mitarbeitern eingespart. Dem haben sie zugestimmt. Ein Gewinn, meint der freundliche, wohl gebräunte und weißhaarige Schwabe, kann bei so einem „Betrieb der Daseinsvorsorge“, wie er sagt, nicht herauskommen. Dafür ist das Berliner Netz auch viel zu weit gespannt. In die Fläche passten München, Frankfurt und Hamburg zusammen. Aber eine schwarze Null wird angepeilt. Vom Sparwillen diktiert war auch die Kündigung des Vertrages mit dem Stromversorger Bewag. Der neue Vertrag an der Leipziger Strombörse hat anfangs fünf Millionen Euro weniger gekostet. Weh tun die sieben Millionen Euro Schäden jedes Jahr an den Fahrzeugen durch Vandalen. Mit mehr Personal könnte man einen guten Teil davon verhindern. Aber bei über einer Milliarde Beförderungsfällen pro Jahr – davon 456 Millionen in den U-Bahnen, 407 Millionen in Bussen und 171 Millionen in den Straßenbahnen – ist die vollständige Aufsicht eine Utopie. Von der Fußball-Weltmeisterschaft erwartet die BVG übrigens weniger zusätzliche Fahrgäste als an einem Kirchentag.

Für den Mann aus Heilbronn, Motorradfahrer und -sammler, mit einer Straßenbahn auf seiner Krawattenklammer, bleibt dann wenig Zeit für sein Hobby. Die Maschinen müssen im Wintergarten in Rudow bleiben. Aber früh aufstehen und viel arbeiten, das ist er von zu Hause gewohnt. Sein Vater war Schreiner. Nach der mittleren Reife hat Schmidt-Kohlhas eine fünfjährige Ausbildung als Beamter gemacht, von der er wegen ihrer Breite und Gründlichkeit immer noch angetan und geprägt ist. Seine zweite Frau ist auch Beamtin. Sie ist übrigens der Kohlhas in seinem Namen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Hilmar Schmidt-

Kohlhas (62)

schlug die mittlere

Beamtenlaufbahn ein und ist heute

Vorstand Personal und Soziales der

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

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