BVG : Polizei fordert nach Unfall: Tram soll grell lackiert werden

In Friedrichshain starb eine 19-Jährige, weil sie die Straßenbahn übersah. Bunte Farben und auffallende Muster an den Bahnen würden nach Ansicht der Polizei die Aufmerksamkeit erhöhen.

Jörn Hasselmann

Nach dem Tod einer 19-Jährigen, die am Donnerstagabend in Friedrichshain eine Straßenbahn übersehen hatte und ums Leben kam, hat die Polizei konkrete Konsequenzen gefordert. Der Chef der Berliner Verkehrspolizei, Wolfgang Klang, sagte dem Tagesspiegel, dass Straßenbahnen „auffälliger“ werden müssten. Eine Auswertung der Unfälle der Vergangenheit habe nun ergeben, „dass die Straßenbahn nicht wahrgenommen wird, obwohl sie wahrgenommen werden müsste“. Eine andere Optik könne helfen, Unfälle zu vermeiden. Beispielsweise mit einem auffallenderen Anstrich in grellem Orange oder eine auffallende Zick-Zack-Linie an der Front, sagte der Verkehrspolizeichef.

Die 19-Jährige soll das Fahrzeug am frühen Donnerstagabend schlicht übersehen haben. Mit einer Freundin wollte die junge Frau die auf dem Mittelstreifen der Mollstraße liegenden Gleise queren. Beide Frauen hätten sich „intensiv unterhalten und rumgealbert“, hieß es bei der Polizei. Doch während die Freundin die Straßenbahn sah und stehenblieb, ging die 19-Jährige einfach weiter. Sie wurde von der Bahn erfasst, eingeklemmt und war sofort tot. Näheres ist unklar, weil die Zeugen mit einem schweren Schock ins Krankenhaus gebracht wurden. Keine Hinweise gibt es laut Polizei, dass die Frau durch Alkohol in der Wahrnehmung beeinträchtigt war.

„Wir müssen die Straßenbahn hässlicher machen“ sagte Verkehrspolizeichef Wolfgang Klang. Derzeit werde sie nicht als Gefahr wahrgenommen, „weil sie zu hübsch ist“. Die Vorschläge seien billiger, als die Strecke einzuzäunen. Wichtig sei zudem, Scheinwerfer auch am Tag anzuschalten und einen Frontschutz einzubauen, der verhindern könne, dass Personen unter die Bahn geraten. Sinnvoll sei zudem, mehr Überwege mit so genannten Drängelgittern zu sichern. Diese zwingen Fußgänger, beim Queren der Gleise in Richtung Tram zu sehen. Klang hatte diese Vorschläge im Herbst bei einem Gespräch auf dem Straßenbahn-Betriebshof Lichtenberg der BVG-Führung unterbreitet. Vorangegangen war der tödliche Unfall, bei dem in der Osloer Straße eine 38-Jährige getötet und deren Tochter verletzt worden war. Die beiden hatten eine rote Ampel missachtet und die Straßenbahn übersehen.

Eine BVG-Sprecherin betonte gestern, dass sämtliche Straßenbahnen seit einiger Zeit auch tagsüber Licht anhaben. Stärkere Scheinwerfer würden geprüft. Vor allem die Geschwindigkeit der Tram werde „unterschätzt“. Doch eine Tram sei eben kein Bus, bei dem der Fahrer im letzten Moment noch das Lenkrad herumreißen könne. Und der Bremsweg sei viel länger als beim Auto. Als Verkehrstote gilt die 19-Jährige jedoch nicht. Hintergrund ist eine bizarre Definition, nach der ein Unfall an einer Kreuzung zwischen Straße und Tram als Verkehrsunfall gilt, nicht aber einer an einem Fußgängerüberweg, auf dem sich die junge Frau bewegte. Eine Ampel gab es dort nicht.

Wie berichtet, wurde am Montagabend 300 Meter entfernt ein 60-jähriger Radfahrer von einem Auto angefahren. Er ist gestern seinen Verletzungen erlegen. Er ist der siebte Verkehrstote in diesem Jahr.

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