Berlin : BVG: Recht sollte auch gerecht sein ...

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Mit den "Wühlmäusen" fing es an. So schicksalhaft, so blind verkettet mit dem Walten des Unglücks wie in einer griechischen Tragödie endete es - unblutig allerdings, glücklicherweise. Gisela H. hatte sich Karten für die Wühlmäuse am Theodor-Heuss-Platz kaufen wollen. Dort ging sie zunächst auf die öffentliche Toilette. Als sie zu ihrem Auto zurückkam, kam sie nicht mehr hinein, der Schlüssel lag drinnen. Sie hatte sich ausgeschlossen. Schicksal.

Also fuhr sie mit der BVG nach Hause. Selbstverständlich lief sie BVG-Kontrolleuren in die Hände. Wieder Schicksal, denn die Gerechten werden von den Fahrscheinhütern ebenso unerbittlich verfolgt wie die Ungerechten. Als sie ihre Umweltkarte herausholen wollte, stellte sie fest, dass ihr Portemonnaie mit allen Unterlagen und der BVG-Karte verschwunden war. Verloren, gestohlen? Jedenfalls dritter, mächtiger Schicksalsschlag, denn warum sollen die Kontrolleure so etwas glauben. Die Rechtslage ist klar. Wer seine Karte nicht dabei hat, muss die bekannten 60 Mark bezahlen, denn vielleicht hat er - Bösewicht, der er ist - die Karte derweil ja nur verliehen.

Da klingelte, noch direkt vor den Kontrolleuren, ihr Handy. Die Polizei. Gütiges Schicksal diesmal. Das Portemonnaie war da. Sie hatte es in der Toilette vergessen, eine Spanierin hatte es gefunden und abgegeben, nun lag es bei der Polizei (einschließlich Umweltkarte), Aktenzeichen 657 Nr. 24/1318/00 A.

"Das interessierte jedoch Ihre Mitarbeiter nicht im geringsten", schrieb sie später empört an die BVG. Denn für einen Kontrolleur ist eine Umweltkarte bei der Polizei eine nicht vorhandene Umweltkarte, und "im Rahmen der Gleichbehandlung aller Kunden können wir auch in Ihrem Fall keine Ausnahme machen und bitten Sie, den Betrag von 60 DM zu überweisen", schrieb die BVG ihr zurück. Auch die Inkasso-Unternehmen wollen schließlich leben. Das ist unser aller Schicksal.

Kann man an das milde Herz des Schicksals appellieren? Bei den griechischen Göttern war das so gut wie immer aussichtslos, siehe letztlich Orpheus. Trotzdem hat Rechtsanwalt Johann Schmid-Drachmann für Gisela H. an die BVG appelliert, "denn Recht sollte auch gerecht sein und nicht nur eine formale Formel". Wie es wäre, wenn die BVG sich mit den Bearbeitungsgebühren von 10 DM zufrieden gäbe? Selten hat man Gelegenheit, das Walten des Schicksals so unmittelbar mit zu erleben. In diesen Tagen fällt die Entscheidung.

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