Berlin : BVG setzt auf Doppeldecker

Berliner Verkehrsunternehmen will 400 bis 500 neue Fahrzeuge anschaffen

Jörn Hasselmann

Der Doppeldecker kommt zurück, das Straßenbahnnetz wird vermutlich ausgedünnt. Und schon in diesem Jahr wird es in Berlin das elektronische Ticket geben – zunächst für Abonnenten und Schüler. Damit wird ein großer Teil der Kunden in der zweiten Jahreshälfte mit einer so genannten Smart-Card in Busse und Bahnen steigen, einer Plastikkarte, in der ein Chip Namen und Gültigkeit gespeichert hat. Das kündigte der im vergangenen Herbst angetretene BVG-Chef Andreas Sturmowski am Mittwochabend an.

Vor allem die Fans des Doppeldeckers dürfen sich freuen. Bis 2009 sollen 400 bis 500 dieser Fahrzeuge beschafft werden, das Durchschnittsalter der Busflotte soll dadurch auf etwa fünf Jahre sinken. Viele Jahre schien es so, dass Doppeldecker aussterben, weil sie so teuer sind. Es sei nun aber gelungen, sagte Sturmowski, den Preis bei der Industrie deutlich zu drücken, derzeit koste ein Fahrzeug 330 000 Euro – ein Gelenkbus dagegen 350 000 Euro. Viele Jahre hatte die BVG auf Gelenkbusse gesetzt. Noch 2004 hatte das Verkehrsunternehmen 400 000 Euro für einen Doppeldecker genannt, für einen Gelenkbus 300 000 Euro. Von 1995 bis 2004 waren daraufhin keine Doppeldecker bestellt worden. Derzeit sind 360 der 1200 Busse zweistöckig, künftig soll wieder jeder zweite Bus Doppeldecker sein; eine „Trendwende“, sagte Sturmowski.

Mehr Busse wird die BVG auch benötigen, wenn das Straßenbahnnetz ausgedünnt wird. Vor allem Strecken in Köpenick und Pankow, die saniert werden müssen, stehen nach Angaben des BVG-Chefs auf dem Prüfstand. „Auf manchen Abschnitten kennt der Fahrer jeden Fahrgast persönlich“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende, zum Beispiel nach Friedrichshagen oder Niederschönhausen. „Denen könnten wir auch ein Taxi bezahlen.“ Der Bus sei auf wenig frequentierten Strecken billiger, hieß es.

Schon nach den Sommerferien bekommen Berliner Schüler ein elektronisches Ticket. Für die Kinder ist das eine große Erleichterung, da sie bislang drei verschiedene Dokumente – Schülerausweis, BVG-Trägerkarte und Wertmarke – vorzeigen. Wenn nur eines fehlte, galt man bereits als Schwarzfahrer. Im Oktober sollen die Abonnenten der BVG eine Plastikkarte mit Chip bekommen. Die Kontrolleure bekommen elektronische Lesegeräte. Die Geräte bezahlt die BVG auch der S-Bahn, die bei dem neuen System nicht mitmacht, die BVG-Tickets jedoch anerkennen will. Nach BVG-Angaben sind die Chipkarten fälschungssicherer als die bisherigen Marken, der Verlust sei erheblich. Kunden können künftig gestohlene Chipkarten sperren lassen.

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