Berlin : BVG-Sondertarife: Erst erzwungen, dann erfolgreich

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Zwei der Parteien einer künftigen Ampelkoalition könnten der BVG Schwierigkeiten machen. Denn SPD und Grüne wollen den Wunsch des Verkehrsbetriebes, die Preise im nächsten August um durchschnittlich drei Prozent zu erhöhen, nicht mittragen. Sie verlangen zumindest bei einigen Tarifarten auch Preissenkungen. Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) fordert ein "intelligentes Tarifsystem", mit dem sich auch mehr Fahrgäste gewinnen lassen müssten. Der Vorschlag der S-Bahn, auf eine Preiserhöhung ganz zu verzichten, wird als Versuch von Bahnchef Hartmut Mehdorn gewertet, mit diesem populistischen Vorstoß die Fusion von BVG und S-Bahn vorantreiben zu wollen.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Bereits bei den Tarifänderungen im vergangenen August waren neue Angebote meist nur auf Druck der Politik zustande gekommen. Strieder hatte mit der BVG ein günstigeres Schülerticket für das Stadtgebiet ausgehandelt. Gegen den Widerstand von BVG und S-Bahn setzte der Senat dann auch ein neues Berlin-Ticket durch, das wie die Bahn-Card funktioniert. Für 69 Mark im Jahr dürfen die Käufer damit jeweils zum Ermäßigungstarif fahren. Schon mit der fünften Fahrt macht sich der Kauf bezahlt. Mehr als 14 200 Berlin-Tickets hat die BVG bisher verkauft. Noch weiß sie allerdings nicht, wie viele der Stammkunden aufs neue Ticket umgestiegen sind und wie hoch der Anteil der neuen Kunden ist. Aufwendig geworben hat die BVG für ihr Berlin-Ticket allerdings nicht. Bei den Schülerkarten, deren Preis von 60 Mark auf 45 Mark gesenkt worden ist, hat die BVG inzwischen mehr als 13 200 Trägerkarten ausgegeben. Von den neuen "Geschwisterkarten", deren Marken 30 Mark kosten, sind 15 250 Trägerkarten beantragt worden.

Deutlich geringer ist die Nachfrage bei der neuen Freizeitkarte, die von den Verkehrsbetrieben initiiert worden war. Hier setzte die BVG bisher über 5 500 Karten ab. Das Freizeitticket kostet 45 Mark im Monat und gilt montags bis freitags nach 18.30 Uhr sowie am Wochenende und feiertags rund um die Uhr. Außerhalb dieser Zeiten dürfen Freizeitkarten-Inhaber zum jeweiligen Ermäßigungstarif fahren.

Ein zusätzliches besonderes Angebot für Stammkunden scheint Strieder von den Verkehrsbetrieben auch bei der nächsten Tarifrunde zu erwarten. Sonst werde er die neuen Preise nicht genehmigen, sagte er. Der Verkehrsexperte der Grünen, Michael Cramer, würde notfalls auch einen Berliner Alleingang riskieren, falls die Betriebe in Brandenburg nicht mitziehen sollten. Lokale Tarife gebe es auch jetzt schon im Verkehrsverbund, sagte Cramer. Die Grünen hatten im Wahlkampf Tarifsenkungen von 30 Prozent gefordert.

Die Tarife werden von den Betrieben selbst festgesetzt. Bei der BVG müssen sie vom Aufsichtsrat genehmigt werden, dessen Vorsitzende Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) ist. Die BVG beruft sich bei ihrem Vorstoß auf den mit dem Senat geschlossenen Unternehmensvertrag, der jährlich eine dreiprozentige Tariferhöhung vorsieht. Er schließt aber Tarifsenkungen auch nicht aus. Immerhin soll bei der nächsten Tarifänderung die im vergangenen August abgeschaffte Kleingruppenkarte wieder eingeführt werden. Sie war auf Wunsch der BVG abgeschafft worden. Inzwischen stimmt die BVG der Rückkehr des günstigen Angebots zu.

Die neuen Konditionen stehen zwar noch nicht fest. Etwas billiger werden die Fahrten aber zumindest vorübergehend vom 1. Januar an. Mit dem Euro als Zahlungsmittel werden bei der Umrechnung alle Preise abgerundet.

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