BVG-Streik : 2,5 Millionen Fahrgäste auf Umwegen

Stillstand bei der BVG: Wie lang der Streik im Nahverkehr die Berliner zum Improvisieren zwingen wird, ist völlig ungewiss. Die CDU spricht von einer "Katastrophe für die Stadt".

Sigrid Kneist[Klaus Kurpjuweit],Ralf Schönball
Streik Foto: ddp
Die BVG tritt in einen unbefristeten Streik. -Foto: ddp

BerlinPünktlich zum Beginn der Internationalen Tourismusbörse (ITB), zu der allein über 100 000 Fachbesucher aus aller Welt erwartet werden, hat heute der Streik bei der BVG begonnen. Für die täglich rund 2,5 Millionen Fahrgäste gibt es nur noch einen Notfahrplan mit Bussen entlang der wichtigsten U-Bahn-, Straßenbahn- und Busstrecken. Die Ersatzbusse fahren aber nur alle 30 Minuten; lediglich auf der TXL-Route vom Hauptbahnhof zum Flughafen Tegel verkehren die Busse im 20-Minuten-Abstand. Sonderlinien im Auftrag der Messe fahren auch zu den Hallen unter dem Funkturm.

Als „Katastrophe für die Stadt“ bewertet Berlins CDU-Generalsekretär Frank Henkel die Streiks zu Beginn der ITB. Der Ausstand schade dem Image Berlins. Auch FDP-Chef Martin Lindner sieht in dem „Versagen des Senats“ die Ursache für den Streit. Lindner kritisierte auch die seiner Ansicht nach „unbefriedigenden Notfallvorkehrungen“ durch den Senat. Andernorts gelinge es öffentlichen Arbeitgebern sehr gut, die Folgen von Streiks zu mildern – in Berlin dagegen nicht. „Private Unternehmer könnten zum Beispiel einige Buslinien betreiben, wenn man frühzeitig entsprechende Vereinbarungen getroffen hätte“, sagte Lindner. „Der Senat hat sich verkalkuliert, er hat schlecht verhandelt, und jetzt kommt der Druck von allen Seiten“, sagte auch Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann.

Wer während des Streiks aufs Auto umsteigt, muss damit rechnen, im Stau zu stehen. Die Busspuren werden nicht freigegeben, auch wenn dort keine Busse fahren. „Beim Streik rechnen wir mit vielen Taxis und Radfahrern auf den Busspuren“, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis. Die Polizei könne aber im Einzelfall die Freigabe der Busspuren anordnen.

Polizisten sollen nicht zur Verkehrsregelung eingesetzt werden. Moderne Ampeln könnten die höhere Verkehrsbelastung erkennen und die Phasen entsprechend anpassen, sagte der Leiter der Verkehrsinformationszentrale, Eberhard Müller. Auch Parkgebühren werden weiter fällig. Der ADAC hatte gefordert, während des Streiks darauf zu verzichten. Stadtrat Marc Schulte (SPD) aus Charlottenburg-Wilmersdorf wies dies zurück. Man könne ja auch auf die S-Bahn ausweichen. Und wenn dann auch noch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes streiken sollten, gäbe es auch keine Knöllchen.

Wie lang der Streik bei der BVG gehen wird, ist völlig ungewiss. Ein neues Angebot der Arbeitgeber, wie es die Gewerkschaft Verdi fordert, ist nicht in Sicht. Eine Schlichtung ist nicht vorgesehen. Verdi hat sich darauf vorbereitet, bis weit über Ostern hinaus zu streiken. Und selbst wenn der Streik zu Ende ist, kann es danach weitere Einschränkungen geben. Weil jetzt etwa auch keine ärztlichzen Untersuchungen der Busfahrer stattfinden, kann es nach einem langen Streik dazu führen, dass viele nicht sofort ans Steuer dürfen, weil sie dafür erst das Attest erneuern müssen.

Auch Bauarbeiten bei der U-Bahn verzögern sich durch den Streik. Da jetzt auch keine Arbeitszüge mehr eingesetzt werden können, müssen auch Arbeiten wie an der U 3 ruhen.

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