BVG-Streik : Tagelang standen die Räder still

Seit dem Mauerfall wurde bei der BVG fünf Mal gestreikt – 1992 sogar fast zwei Wochen lang.

Cay Dobberke

Der längste Streik im öffentlichen Nahverkehr Berlins liegt rund 16 Jahre zurück: Vom 27. April bis zum 7. Mai 1992 legten rund 400.000 Beschäftigte des gesamten öffentlichen Dienstes in der Stadt die Arbeit für mehr Geld nieder – darunter auch viele BVG-Mitarbeiter. Der Senat forderte die Berliner auf, Fahrgemeinschaften zu bilden – der Aufruf blieb weitgehend unbeachtet.

Aus mehreren Gründen kam es damals trotzdem nicht zum befürchteten riesigen Verkehrschaos. Busse und Bahnen der BVG standen nicht während der gesamten elf Tage still, und es waren fast nur die westlichen Bezirke betroffen. Denn der Osten Berlins war ein anderes Tarifgebiet; nur an einem Tag unterbrachen Beschäftigte dort aus Solidarität mit den West-Kollegen spontan ihre Arbeit.

Außerdem übernahmen Privatfirmen vorübergehend 100 Buslinien. Die Polizei urteilte, die Stadt sei „nach dem Mauerfall verstopfter gewesen“. Drei Tage lang blockierte der Streik aber auch die Flughäfen Tegel und Tempelhof, die meisten Flüge wurden nach Schönefeld umgeleitet.

Im September 1995 folgte ein sehr viel kürzerer, spontaner Streik bei der BVG: Wegen eines angekündigten Abbaus von 4700 Arbeitsplätzen legten rund 6000 Mitarbeiter die Arbeit von Betriebsbeginn bis 9.30 Uhr nieder – also gut sechs Stunden lang. Busse und Bahnen standen still, U-Bahnen fuhren nur vereinzelt. Während viele Autofahrer im Stau steckten, zählte die S-Bahn in den Morgenstunden etwa 150 000 zusätzliche Fahrgäste.

Im März 1998 gab es einen Warnstreik im öffentlichen Dienst, der den BVG-Verkehr vier Stunden lang lahmlegte. Der Autoverkehr hingegen habe „erstaunlich gut“ funktioniert, sagten Polizeisprecher damals. Berlins Taxifahrer machten etwa doppelt so viele Touren wie üblich.

Nur zweieinhalb Stunden dauerte ein Warnstreik im Mai 2000. Es ging um mehr Lohn und eine Angleichung der ostdeutschen Löhne ans Westniveau. Um 8.30 Uhr wurde die Arbeit wieder aufgenommen, es dauerte dann aber noch rund eineinhalb Stunden, bis sich der Verkehr auf allen Linien wieder normalisiert hatte. Insgesamt blieb ein Chaos aber aus – auch weil gerade Schulferien waren.

Viele Schüler – und auch einige Lehrer – kamen zu spät zum Unterricht, als im Mai 2005 ein siebenstündiger Warnstreik bei der BVG folgte. Die Fahrgastzahlen der S-Bahn verdoppelten sich, Staus auf den Straßen blieben aus. Zuletzt gab es im vorigen Jahr mehrere Streiks der Lokführergewerkschaft GdL bei der Deutschen Bahn, die auch die Berliner S-Bahn trafen. Cay Dobberke

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