BVG-Streik : „Wir kapitulieren nicht“

Ab heute rollen wieder erste U-Bahnen und Busse durch Berlin - vorerst. Schon zu Ostern könnte wieder voll gestreikt werden, sagt Verdi-Sprecher Andreas Splanemann.

Die Situation ist absurd. Busse und Bahnen fahren wieder – aber nur, bis die ersten defekt sind. Verdi verkauft das als „Zeichen guten Willens“. Die BVG hält es für „perfide“. Verschaukeln Sie nicht die Berliner?

Ein Arbeitskampf ist nun mal kein Spaziergang. Es wäre eine Illusion, zu glauben, dass die jetzige Streikpause eine Entspannung bedeutet. im Gegenteil. Wir befinden uns in einem sehr, sehr harten, eskalierten Arbeitskampf . . .

. . . bei dem vor allem die älteren und ärmeren Menschen die Leidtragenden sind.

Das tut uns natürlich leid. Aber solche Folgen lassen sich bei einem Ausstand nicht vermeiden. Betrachten Sie es doch mal andersherum: Wären uns die Arbeitgeber, sprich der Senat und die BVG, etwas entgegengekommen, könnte schon längst wieder alles nach Fahrplan rollen. Aber die Gegenseite hat sich bislang keinen Millimeter bewegt. Zwanzig Millionen Euro bietet man uns für Lohnerhöhungen bis 2010, damit lassen sich kaum drei Prozent Erhöhung bezahlen. Dennoch wollte man uns am Samstag zu Tarifverhandlungen auf dieser mickrigen Grundlage drängen, damit wir den Streik erstmal komplett aussetzen. Man wollte Verdi aufs Abstellgleis schieben. Es wäre unsere Kapitulation gewesen.

Dennoch wendet sich die öffentliche Stimmung stark gegen den Streik, Busfahrer werden beschimpft. Können Sie das verantworten?

Die meisten Kollegen lassen sich nicht beirren. Wir geben nicht klein bei. Wenn die Busse und Bahnen jetzt durch die teilweise Streikpause wieder fahren, darf sich niemand darüber hinwegwegtäuschen, dass schon bald wieder alles stehen kann. Ohne Entgegenkommen des Senates kann das noch lange so weitergehen.

Will Verdi die Arbeitgeber zu weiteren Gesprächen einladen?

Erst einmal nicht. Es herrscht Funkstille. Am Montag trifft sich unsere Große Tarifkommission, um die Situation zu beraten. Am kommenden Mittwoch gibt es dann eine erneute Zusammenkunft, bei der entschieden wird, wie es mit dem Ausstand weitergeht.

Werden die Streikenden ihren harten Kurs wenigstens über Ostern aufgeben?

Es kann sein, dass unsere Fahrer über Ostern wieder streiken wollen, schon alleine, um sich nicht ständig beschimpfen zu lassen.

Irritiert Sie es nicht, dass Berlin offenbar auch ohne die BVG ganz gut funktioniert? Haben sich die Streikenden überschätzt?

Berlin hat eben ein gutes S-Bahnnetz. In südlichen Ländern hätten Streikende die S-Bahn und die Privatbusse des Notverkehrs schon längst als Streikbrecher blockiert. Aber das ist nicht unser Stil.

Andreas Splanemann (48) ist seit 16 Jahren Sprecher des Landesbezirks Berlin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Etwa 8000 von 12 500 BVGern sind bei Verdi organisiert.

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