BVG : Trambahn-Pläne erschüttern Forscher in Adlershof

Wissenschaftler in Adlershof lehnen den geplanten Streckenneubau ab, weil die Züge ihre hochempfindliche Technik stören könnten.

Stefan Jacobs

Es soll eine Wohltat werden, von der die Wissenschaftsstadt Adlershof (Wista) und der Forschungsstandort Berlin insgesamt profitieren: die Verlängerung der Straßenbahn durch die Wista. Doch jetzt versuchen gleich mehrere der vermeintlichen Nutznießer, das Vorhaben zu stoppen. Am 20. Juni schrieb der Vizepräsident für Forschung der Humboldt-Uni, Hans Jürgen Prömel, an Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Und am 26. Juli legte Roberto Fornari, Direktor des Instituts für Kristallzüchtung, mit einem weiteren Brief an die Senatorin nach. Tenor beider Schreiben: Die geplante Trasse würde die Arbeit in den benachbarten Forschungsinstituten so sehr stören, dass man schlimmstenfalls wegziehen müsse.

Hauptsorgen der Professoren sind von der Tram ausgelöste Erschütterungen und elektromagnetische Wellen, die einige in den Instituten für Chemie und Kristallzüchtung installierte, hochgenaue Geräte – Mikroskope und Anlagen zur Züchtung hauchfeiner Halbleiterkristalle etwa – beeinflussen würden. Prömel schreibt, dass möglicherweise ein Neubau notwendig würde und der Trambetrieb „den Wissenschaftsstandort Adlershof insgesamt nachhaltig gefährden“ könne. Auch in Fornaris Brief ist vom Umzug des – mit millionenschwerer Förderung errichteten – Instituts die Rede, sollte die Tram nicht komplett abgeschirmt sein. Diese Abschirmung zu prüfen, rät auch ein anderer Institutsdirektor, dessen Einrichtung nicht direkt an der Neubaustrecke steht.

Den Wissenschaftlern geht es nicht um die Bahn an sich, sondern um das gut 300 Meter lange Stück bis zur Wendeschleife in der Max-Born-Straße, wo sich die Institute befinden. Als Alternative schlagen die Forscher vor, die Trasse zu verkürzen und die Tram schon in der Rudower Chaussee enden zu lassen.

Doch diese Idee dürfte an mehreren Problemen scheitern: Zum einen ist die Baugenehmigung nur für die aktuelle Planung erteilt worden. Bei einer Streckenänderung müsste das Verfahren von vorn beginnen, was mehrere Jahre dauern und Millionen kosten würde. Zum anderen ist in der Rudower Chaussee kein Platz für eine Wendeschleife, so dass nur sogenannte Zweirichtungszüge fahren könnten. Von denen hat die BVG nicht allzu viele. „Das würde die Sache deutlich komplizierter machen“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

In einer Runde mit allen Beteiligten am Mittwochnachmittag wurde nach Auskunft eines Teilnehmers vereinbart, noch einmal alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Störwirkung der Tram möglichst gering zu halten. An der Streckenführung wird aber nicht gerüttelt.

Juristisch können die Anlieger das Vorhaben ohnehin nicht mehr stoppen, weil die Baugenehmigung längst vorliegt. Genauer gesagt schon seit fast fünf Jahren, so dass sie zum Jahresende verfällt, wenn nichts passiert. Die Senatorin kommt in den nächsten Tagen aus dem Urlaub zurück. Und der Senat will den Bau noch im August beschließen. Stefan Jacobs

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