Berlin : BVG und S-Bahn legen 2003 einen Zahn zu

Neue Verbindungen, schnellere Züge, aktuellere Informationen

Klaus Kurpjuweit

Es sind nur wenige Meter Gleis, die im Juni in Betrieb gehen, aber sie eröffnen für viele S-Bahn-Fahrgäste schmerzlich vermisste Verbindungen. Mit der Aufnahme der Fahrten auf den neuen Gleisen zwischen den Bahnhöfen Bornholmer Straße und Schönhauser Allee kann man wieder aus Pankow ohne Umsteigezwang zu den Bahnhöfen der östlichen Ringbahn fahren. Die Verbindung war wegen Bauarbeiten für das Nordkreuz im Herbst 2001 eingestellt worden.

Die so genannte Ulbrichtkurve war von der Reichsbahn nach dem Krieg angelegt worden, um die Westsektoren mit der S-Bahn umfahren zu können. Für viele Fahrgäste war sie so vorteilhaft, dass sie auch nach der Einheit der Stadt im Netzplan bleibt. Theoretisch können die Züge am Nordkreuz nach Abschluss der Arbeiten aus jeder Richtung in jede Richtung fahren.

Freuen können sich auch S-Bahn-Fahrgäste im Süden der Stadt. Bereits im Februar wird die Wannseebahn zwischen Zehlendorf und Wannsee – mit einer kleinen Verspätung – wieder eröffnet. Die Bauarbeiten sind dann so weit, dass die Bahnen auf der gesamten Strecke zwischen Wannsee und Anhalter Bahnhof im Abstand von fünf Minuten fahren können. Bisher mussten die Fahrgäste mindestens zehn Minuten auf die nächste Bahn warten. Eingeführt wird der Fünf-Minuten-Takt zunächst zwischen Zehlendorf und Anhalter Bahnhof.

Bei der BVG gibt es zwar keine neuen Strecken, aber dafür macht dort die U-Bahn Tempo. Auf der Linie U 5 werden zunächst zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Allee die Anlagen so umgebaut, dass die Höchstgeschwindigkeit Ende des Jahres von 60 km/h auf 70 km/h erhöht werden kann. Fahrgäste kommen so schneller ans Ziel, und die BVG muss weniger Züge einsetzen. So können Kosten gesenkt werden.

Wer länger warten muss, soll bei der BVG in Zukunft aber zumindest besser informiert werden. An der Straßenbahn-Linie 6 (Hellersdorf, Riesaer Straße – U-Bahnhof Schwartzkopffstraße) will die BVG die ersten automatischen Anzeigetafeln installieren, die die Abfahrtszeit der nächsten Bahn ankündigen. Auch bei der U-Bahn ergänzt die BVG ihr „Daisy“-System auf den Linien U 5 und U 8. Beim Bus ist es an wichtigen Kreuzungspunkten vorgesehen.

Als Zwischenlösung will die BVG im Sommer für Busfahrgäste aktuelle Informationen per Handy übermitteln. Fahrgäste schicken dann eine SMS mit der Liniennummer und der Nummer der Haltestelle, die deutlich angeschrieben wird, an die BVG und erhalten dann eine SMS mit der erwarteten Abfahrtszeit des nächsten Busses zurück. Berücksichtigt sind dabei auch Umleitungen und Verspätungen.

Wenn die anderen Unternehmen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mitziehen, führt die BVG im Sommer auch die ersten Chip-Fahrscheine ein, die ein Vorläufer des geplanten elektronischen Tickets sein sollen. Den Chip, der zunächst die Karten fälschungssicherer machen soll, erhalten dann die Inhaber von Jahreskarten und Jobtickets.

Auch neue Fahrzeuge sollen den Nahverkehr attraktiver machen. Im Frühjahr testet die S-Bahn ihren ersten Zug, der durchgängig begehbar ist. Vier Wagen mit Übergängen dazwischen bilden dann jeweils eine Einheit. Drei dieser Züge hat die S-Bahn bestellt. Bisher gibt es nur einen Übergang zwischen zwei Wagen.

Neuland betritt auch die BVG. Sie will eine völlig neue Generation von Doppelstockbussen testen, die erstmals einen Brennstoffzellenantrieb haben. Rollen werden sie voraussichtlich gegen Jahresende auf den Vorzeigelinien 100 (Zoo - Mollstraße/Prenzlauer Allee) und 200 (Zoo – Prenzlauer Berg, Michelangelostraße). Und wenn alles gut geht, bestellt die BVG 2003 zum ersten Mal seit Mitte der 90er Jahre auch wieder Doppeldecker mit einem herkömmlichen Antrieb. Dann gibt’s für Fahrgäste nicht nur eine bessere Aussicht als im Eindecker, sondern auch mehr Sitzplätze.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben