Berlin : BVG verkaufte mehr als 8000 Tickets übers Handy

Versuch war erfolgreich, aber die Einführung bleibt ungewiss

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Die BVG hat in einem Feldversuch im Oktober über 8000 Fahrscheine per Handy verkauft – meist für Einzelfahrten. Trotz dieses Erfolges steht nach Angaben von Projektleiter Stefan Kissinger nicht fest, ob das System generell eingeführt wird. Übergangen fühlt sich die SBahn, die erst kurz vor dem Versuch darüber informiert worden war.

Das Handy-Projekt der BVG gehört zu einer europaweiten Studie. Zusammen mit Verkehrsbetrieben in Paris, Rom und im finnischen Turku soll das Projekt „Telepay“ klären, wie effizient Fahrscheine für den öffentlichen Nahverkehr per Handy bestellt, gekauft, bezahlt und kontrolliert werden können. Zudem sollen Datenschutzfragen geklärt werden. Die Ergebnisse aus den vier Städten werden jetzt zusammengefasst und an die Europäische Kommission übergeben. Frühestens Anfang 2003 soll entschieden werden, wie es mit dem Projekt weiter geht. Dass das System technisch funktioniere, habe der Versuch gezeigt, obwohl es mehrfach Abstürze gegeben habe, sagte Kissinger. Es müsse noch geklärt werden, wie der Empfang des „Tickets“ per SMS in jedem Fall gesichert werden könne. Vor allem zu Weihnachten, Silvester oder bei Großveranstaltungen wie der Love Parade seien die Netze oft überlastet.

Beim Kauf über Handy schicken die Kunden eine SMS an eine Telefonnummer, die für einen bestimmten Fahrschein steht. Nach wenigen Sekunden soll dann per SMS die Bestätigung kommen, die als Ticket dient. Im Versuch kam die Antwort manchmal allerdings auch erst am nächsten Tag an. Zudem waren nicht alle Busfahrer informiert und wollten die SMS nicht als Ticket akzeptieren. Unklar ist auch, wer die SMS-Gebühr tragen müsste.

Unabhängig von der Handy-Technik setzt die BVG die Arbeiten am elektronischen Ticket fort. Auch hier gibt es bisher keine Einigung mit der S-Bahn. Zunächst sollen Käufer von Jahreskarten und Firmentickets neue Karten mit integriertem Chip erhalten. Er übernimmt zunächst nur Kontrollfunktionen, wodurch die Tickets fälschungssicherer werden sollen. Den elektronischen Fahrschein, der dann auch den Betrag für die Fahrt abrechnet, soll es erst später geben. Berlin fährt damit anderen Städten hinterher. Rom und Lissabon haben jetzt elektronische Tickets eingeführt, zunächst für Monats- oder Jahreskarten. Beim Einzelfahrschein greifen auch sie auf die herkömmliche Technik zurück. kt

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