BVG-Verkehr in Berlin : Warum kommt der Bus zu spät?

Und warum kommt die Tram oft zu früh? Wir haben die Unpünktlichkeit auf Berlins wichtigsten ÖPNV-Linien interaktiv aufbereitet und sind einer großen Frage auf der Spur: Wie kann der Nahverkehr in Zukunft pünktlicher werden?

von , und Ekkehard Petzold
Jetzt aber schnell. Busse der Linie M41 haben traditionell häufig mit Behinderungen zu kämpfen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Jetzt aber schnell. Busse der Linie M41 haben traditionell häufig mit Behinderungen zu kämpfen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Janz Britz ist zu!“, seufzt es hinter einem Halbkreis aus Bildschirmen ins weitläufige Großraumbüro hinein. Dieser Tag im Februar wird wohl kein guter in der Pünktlichkeitsbilanz der BVG. Aber er ist allemal noch lang genug für Rettungsversuche. Dafür sitzen die Kollegen ja in der Leitstelle in Berlin-Lichtenberg, im „Kompetenzcenter Oberfläche“, wie es in der BVG-Bürokratie heißt. Auf ihren ergonomisch um sie herum gebauten Monitorwänden verfolgen die 21 Mitarbeiter in drei Schichten, wie sich Busse und Straßenbahnen durch die Stadt bewegen – oder eben nicht, wie jetzt gerade in Britz.

Ein Unfall auf der Stadtautobahn hat ringsum solchen Stau produziert, dass der M 44er zur Immobilie geworden ist: Vor dem Bahnhof Hermannstraße stehen vier Stück im Pulk. Sie sind nach und nach aufs Stauende aufgelaufen und immer weiter zusammengerückt. Die Autos dazwischen haben sich in die Nebenstraßen verabschiedet und versuchen, das Chaos zu umfahren. Busse können das nicht. „Wir unterbrechen die Linie jetzt“, sagt der 51-jährige Thomas Unger, Leiter der Leitstelle Omnibus, „damit der ungestörte Abschnitt regelmäßig bedient wird.“ Er lässt jetzt den letzten Bus nach der nächsten Haltestelle vorzeitig wenden und sagt dem Vordermann per Funk, dass er auf dessen Fahrgäste warten soll.

1400 Busse und 4000 Fahrer sind noch nicht genug

Vor der Hermannstraße bekommen die ohnehin von der Verspätung genervten Fahrgäste jetzt also den vorzeitigen Rauswurf durchgesagt. Typisch BVG, werden sie fluchen, die kriegen’s einfach nicht hin. Die BVG in Person des gelassen lächelnden Herrn Unger hingegen sagt: „Unser Kernproblem ist der Großstadt geschuldet.“ Großstadt, das heißt 1190 Einschränkungen von Bussen und Trams im Jahr 2015 allein durch Demonstrationen und Staatsbesuche. Großstadt, das heißt Menschen, die alle zu ähnlichen Zeiten aufstehen um zur Arbeit zu fahren und wieder zurück. Großstadt, das meint für die BVG 1400 Busse, 4000 Fahrer und den immerwährenden Versuch, einen regelmäßigen Fahrplan aufrecht zu erhalten.

Es wird bunt. Auf unserer interaktiven Website klicken Sie sich zum Pünktlichkeitsprofil der einzelnen Linien. Grafik: Ekkehard Petzold (auf OSM); Bearbeitung: Fabian Bartel
Es wird bunt. Auf unserer interaktiven Website klicken Sie sich zum Pünktlichkeitsprofil der einzelnen Linien.Grafik: Ekkehard Petzold (auf OSM); Bearbeitung: Fabian Bartel

Die Daten, mit denen auch die BVG in ihrer bürograuen Leitstelle in Lichtenberg versucht, den Wahnsinn des Berliner Verkehrs zu bändigen, haben wir sechs Wochen lang mitgeschnitten. Im Minutentakt haben wir die Live-Daten der meistgenutzten Buslinien, Trams, U-Bahnen und der Ringbahn über eine Schnittstelle des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) abgefragt und gespeichert. Bei der Auswertung der Daten wird erst einmal klar: Die BVG erledigt die Sisyphos-Aufgabe ÖPNV ganz gut. Die meisten Verbindungen sind pünktlich. Gerade bei den am stärksten genutzten U-Bahn-Linien wie U7 und U1 kommen die Bahnen äußerst zuverlässig, wie auch Erhebungen der BVG selbst zeigen. Allerdings zeigt sich auch, dass gerade die am stärksten genutzten Busse und Trams in Berlin sehr häufig zu spät kommen. Oder – was für die Fahrgäste oft noch unangenehmer ist – zu früh. Doch dazu später mehr.

Den gesamten Text und diverse interaktive Datenvisualisierungen finden Sie auf unserer Sonderseite haltestelle.tagesspiegel.de.

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