Berlin : BVG verramscht das U-Bahn-Fernsehen

Um den Verlustbringer endlich loszuwerden, zahlt der Verkehrsbetrieb noch einmal drauf

Klaus Kurpjuweit

Die BVG wird einen großen Verlustbringer los – und muss vorher dafür aber noch einmal kräftig zahlen. Der Aufsichtsrat hat jetzt dem Verkauf des U-Bahn-Fernsehens, „Berliner Fenster“ genannt, zugestimmt. Ein erster Anlauf, das kostenträchtige System loszuwerden, war im Frühjahr gescheitert.

Nach Angaben der BVG war der vor fünf Jahren abgeschlossene Vertrag „eines der schlechtesten Geschäfte“ in der Unternehmensgeschichte überhaupt. Rund 13 Millionen Euro Verlust hat das Fernsehen in der U-Bahn seit 2000 dem Verkehrsbetrieb eingebracht. Um das „Berliner Fenster“ loszuwerden, muss die BVG an den Käufer noch einmal fast fünf Millionen Euro zahlen – als „negativen Kaufpreis“.

Neuer Eigentümer ist der bisherige Partner, die Inova Holding GmbH, die sich den Handel gut bezahlen lässt – als Ausgleich für entgangene Einnahmen. Nach Tagesspiegel-Informationen musste die BVG bisher pro Jahr rund 2,5 Millionen Euro für die Gerätemiete zahlen. Fast alle der 1600 U-Bahn-Wagen sind mit Monitoren ausgestattet; 3768 Bildschirme hängen in den Zügen. Hinzu kamen 800000 Euro für die Wartung, 550000 Euro für das Übertragen der Daten per Funk und 145000 Euro als Studiomiete. Hätte die BVG den Betrieb einfach eingestellt, hätte Inova dem Vernehmen nach 22 Millionen Euro als Ausgleich kassieren dürfen.

So kommt die BVG jetzt mit dem Verkauf vergleichsweise billig davon. Sie hat sich aber auch verpflichtet, beim künftigen Betreiber Werbezeiten zu kaufen. Bis 2014 waren dafür 9,8 Millionen Euro vorgesehen. Bei den abschließenden Verhandlungen konnte die BVG den Gesamtpreis dem Vernehmen nach noch um rund 2,4 Millionen Euro drücken. Für die künftige Eigenwerbung in der U-Bahn hat die BVG feste Konditionen erhalten, so dass es hier künftig keine Preisüberraschungen geben wird. Dies sei jetzt ein vergleichsweise gutes Geschäft für den Verkehrsbetrieb, heißt es jetzt.

Gestartet war das BVG-eigene Fernsehen mit großem Optimismus. Die Bildschirme in den Zügen sollten Fahrgäste auch mit aktuellen Informationen aus dem Betrieb versorgen, ergänzt durch Werbung. So wollte die BVG Geld dazuverdienen. Doch Werbekunden ließen sich nur schwer finden. Große Marken zeigten gar kein Interesse. Und aktuelle Informationen, etwa bei einer Betriebsstörung, gibt es bis heute noch nicht.

Anfang des Jahres hatte die BVG bereits mit einem Berliner Gastronomen einen Kaufvertrag für das „Berliner Fenster“ abgeschlossen. Der Käufer war jahrelang Handelsvertreter für die BVG-Werbetochter VVR-Berek. Er wollte sich bei der Werbung auf den Berliner Markt konzentrieren und hatte damit auch Erfolg. Der Handel scheiterte dann aber, weil der Käufer die von der BVG geforderte Bürgschaft in Höhe von 500000 Euro nicht aufbrachte.

Pläne für ein Fernsehen in den Zügen hatte einst auch die S-Bahn. Sie hat am Ende dann aber darauf verzichtet, was ihr einen Millionenverlust erspart hat.

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