Berlin : BVG zieht nach Brand 40 Busse aus dem Verkehr

Wegen Sonderkontrollen fallen weitere Fahrten aus Unternehmen mietet Ersatz aus dem Umland

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Die neue BVG-Chefin Sigrid Nikutta greift gleich durch: Nachdem am Sonnabend erneut ein Bus in Flammen aufgegangen war, hat die BVG am Donnerstag 40 Busse, die als besonders brandgefährdet eingestuft werden, aus dem Verkehr gezogen. Dadurch fallen in den nächsten Tagen Fahrten aus. Als Ersatz mietet die BVG Fahrzeuge von Unternehmen aus dem Umland an. Trotzdem wird der Nahverkehr der Stadt, der bereits seit mehr als einem Jahr unter den Ausfällen bei der S-Bahn leidet, erneut gebeutelt.

In den vergangenen Jahren sind bei der BVG acht Busse ausgebrannt; davon sieben des Typs Citaro von Mercedes. Bis auf eine Ausnahme stammten alle aus einer Bauserie von 2002. Fünf hatten einen sogenannten stehenden Motor, bei dem die Fachleute annehmen, dass sich ein Feuer dort besonders schnell ausbreitet, weil die Anlage wie ein Kamin wirke.

Gemeinsam mit Verantwortlichen von Mercedes hat Nikutta nun entschieden, dass zunächst die 91 noch vorhandenen zwölf Meter langen Busse der Baureihe, die bisher am häufigsten gebrannt haben, besonders überprüft werden. 40 Busse, die bereits im August die letzte turnusmäßige Sicherheitskontrolle durchliefen, wurden sofort stillgelegt. Sie dürfen erst wieder fahren, wenn sie gemeinsam von Werkstattmitarbeitern der BVG, Fachleuten von Mercedes und externen Gutachtern überprüft worden sind. Dafür werde in den Werkstätten rund um die Uhr gearbeitet, sagte Nikutta. Die Überprüfung aller 91 betroffenen Fahrzeuge solle Ende nächster Woche abgeschlossen sein – danach sollen Brandschutzanlagen eingebaut werden, weswegen die Busse erneut im Betrieb fehlen werden. Hierfür wolle man noch eine Strategie entwickeln, um die Ausfälle möglichst kurz zu halten, kündigte die BVG-Chefin an. Deshalb werden die Fahrzeuge von anderen Unternehmen auch gleich für mehrere Monate geliehen. Für rund 20 Busse gibt es nach Angaben der BVG bereits Verträge. Dass dort nicht immer Fahrscheine vom Fahrer verkauft werden können, nimmt die BVG in Kauf. „Sicherheit geht vor“, sagte Nikutta.

Welche Fahrten ausfallen, müssten die Verantwortlichen auf den Betriebshöfen jeweils abhängig vom Bestand der einsetzbaren Fahrzeuge entscheiden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Einen Extrafahrplan gebe es nicht. Das Unternehmen habe aber auf „Negativlisten“ vorgegeben, auf welchen Linien auf keinen Fall Fahrten ausfallen sollen.

Dass bereits jetzt Fahrten ausfallen, spüren Fahrgäste seit Monaten. Selbst neue Modelle wie die Doppeldecker müssen häufiger in die Werkstatt als vorgesehen. Der Hersteller MAN tauscht vorzeitig bruchgefährdete Achsen aus, zudem gibt es Rostprobleme, weil Wasser durch Fensterdichtungen eindringt.

Reserven hat das Unternehmen kaum noch, weil in den vergangenen Jahren kräftig gespart worden ist – auch beim Personal in den Werkstätten. Zudem wurden Betriebshöfe stillgelegt. Inzwischen hat die BVG aber wieder 20 Stellen mehr in den Werkstätten besetzt.

Im kleineren Rahmen wiederholt sich bei der BVG damit das Vorgehen bei der S-Bahn, die eine bereits geschlossene Werkstatt wieder eröffnen und die Zahl der Mitarbeiter in den Werkstätten erhöhen musste, weil sich herausgestellt hatte, dass zulasten des Betriebs – und der Fahrgäste – zu viel gespart worden war. Bei der S-Bahn kamen die Vorgaben vom Bahnkonzern, die BVG wird vom Senat auf den Sparkurs getrimmt. Wer die Kosten für die Sonderkontrolle und den Einbau der Brandschutzanlagen übernimmt, steht noch nicht fest. Dies solle später mit Mercedes geklärt werden, sagte Nikutta. Klaus Kurpjuweit

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