Cabuwazi am Ostbahnhof : Kinderzirkus droht die Räumung

Seit fünf Jahren stehen Zirkuszelte hinter dem Postbahnhof. Ein Teil des Grundstücks ist nun verkauft und soll bebaut werden. Der Bezirk sucht nach einer Lösung.

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Zelte oder Wohnungen? Das Cabuwazi liegt mitten im begehrten Mediaspree-Gebiet zwischen O2-Arena und Ostbahnhof.
Zelte oder Wohnungen? Das Cabuwazi liegt mitten im begehrten Mediaspree-Gebiet zwischen O2-Arena und Ostbahnhof.Foto: Thomas Loy

Der Kinderzirkus Cabuwazi ringt wieder um seine Existenz. Ausgerechnet im 20. Jahr seines Bestehens. Diesmal geht es nicht ums Geld wie vor vier Jahren, sondern um den Hauptstandort hinter dem Postbahnhof in Friedrichshain. Die „Deutsche Post DHL Real Estate“ verkauft gerade die umliegenden Grundstücke, auf einem davon steht ein Teil der Zirkuszelte. „Der neue Eigentümer hat uns die Räumung angedroht“, sagt Cabuwazi-Geschäftsführer Karl Köckenberger. Er hofft auf eine erneute Rettungsaktion durch die Politik. Vor vier Jahren half ihnen der ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) aus einer finanziellen Notlage.

Ganz normale Kinder machen Zirkus und gewinnen dabei Selbstvertrauen, das ist die Idee des Cabuwazi. Der Kinderzirkus genießt breite Anerkennung für seine Arbeit an inzwischen fünf Standorten, verteilt über die ganze Stadt. Ein Cabuwazi-Fan ist auch Uwe Fabich, der Eigentümer des Postbahnhofs. Er würde dem Cabuwazi gerne helfen, verfolgt aber auch eigene Interessen.

100-Meter-Turm für Start-ups geplant

Fabich ist besonders das geplante Hotel an der Straße der Pariser Kommune ein Dorn im Auge. Dort soll ein rund 70 Meter hoher Turm samt Sockelbau entstehen, „potthässlich“ und fehl am Platz, findet er. Fabich würde das Grundstück gerne selber kaufen, um einen schlanken 100 Meter hohen Turm vornehmlich als schicke Adresse für Start-up-Firmen zu bauen. Käme er zum Zuge, könne er dem Cabuwazi ein Ersatzgelände hinter dem Postbahnhof überlassen.

Die Post wiederum hat auch das Hotel-Grundstück an der Pariser Kommune bereits verkauft. Auch eine Baugenehmigung sei bereits erteilt, sagt Fabich, aber noch nicht rechtsgültig, weil er als Nachbar seine Zustimmung verweigere. Hans Panhoff (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, rechnet mit einem Rechtsstreit um die Baugenehmigung. Einen 100-Meter-Turm würde der Bezirk aber kaum genehmigen. Diese maximale Bauhöhe war im Rahmen der Mediaspree-Verhandlungen noch unter dem ehemaligen Bezirksbürgermeister Franz Schulz abgesenkt worden.

Panhoff hat nach eigenen Angaben dem Cabuwazi zwei Ersatzgrundstücke angeboten, aber darauf noch keine positive Resonanz erhalten. Köckenberger würde gerne am Postbahnhof bleiben, im „Brennpunktkiez“ mit „über 2000 Kindern und Jugendlichen aus überwiegend bildungsfernen Haushalten“.

Eine mögliche Alternative wäre die Kooperation mit dem Yaam, das sich gerade auf den Umzug vom Gelände an der East Side Gallery an die Schillingbrücke vorbereitet. Beide Akteure haben die gleiche Zielgruppe, doch Ortwin Rau vom Yaam winkt ab. „Das ist keine Option. Wir brauchen die Flächen selber.“

Wann konkret mit dem Bau auf dem Cabuwazi-Grundstück begonnen wird, ist unklar. Nebenan entstehen bereits Wohnhochhäuser. Cabuwazi-Chef Köckenberger hofft nun auf Unterstützung von der neuen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

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