Café am Engelbecken : Lange Durststrecke

Das Café am Engelbecken ist seit Monaten geschlossen. Warum eigentlich?

Stephanie Kirchner

Die älteren Herrschaften wundern sich. Sie haben früher in Kreuzberg gewohnt und wollten nur mal sehen, was sich hier so verändert hat. Und wo mal dieses schöne Café war, ist jetzt eine Baustelle. Den ganzen Sommer sei es geschlossen gewesen? Wie schade!

Das finden auch Cheena Riefstahl und Akin Aydogan, die beiden Inhaber des Cafés am Engelbecken. „Wir leben ja eigentlich nur von der Sommersaison.“ Vor etwa zwei Jahren hatten die Behörden bei den beiden angefragt, ob sie nicht, wo bisher ihr Café-Container stand, ein festes Gebäude errichten wollten. Der Bezirk würde sich um den Rohbau und den Außenbereich kümmern, die Café-Besitzer sollten den Innenausbau übernehmen. Eigentlich wollte man bereits im Mai wieder eröffnen. Die Stammkunden würden schon ungeduldig, erzählt Aydogan. Dabei haben die beiden Inhaber ihren Teil so gut wie erledigt: „Wir müssen praktisch nur noch unsere Werkzeuge wegräumen.“ Dafür haben alle mit angepackt. Riefstahl trägt einen Blaumann, auch Aydogans Bruder und der zukünftige Koch sind gekommen, um bei den letzten Handgriffen zu helfen. Bodenkacheln in Holzoptik, geblümte Sessel und Tapeten mit hellem Retro-Muster lassen bereits eine Atmosphäre moderner Gemütlichkeit erahnen. Ohne fertige Hauptterrasse wollen Aydogan und Riefstahl jedoch nicht eröffnen, und dort bleibt noch einiges zu tun. Immerhin hängt nun seit einigen Tagen ein Schriftzug mit dem Cafénamen über der Tür.

Cheena Riefstahl und Akin Aydogan nehmen den Verdienstausfall bemerkenswert gelassen hin. Allerdings sind sie auch schon einiges gewohnt. Erst vergangenes Jahr wurde das Engelbecken nach dem Vorbild des von Erwin Barth in den 20er Jahren gestalteten Gartens wiederhergestellt, und die Cafébesucher wurden von Baulärm gestört. Sie seien trotzdem immer wieder gekommen, wirft Aydogans Bruder lachend ein.

Heinz Biedermann, stellvertretender Leiter des Straßen- und Grünflächenamts in Mitte, macht anfängliche Verzögerungen wegen fehlender Genehmigungen und den harten Winter für die Verzögerung verantwortlich. Man hätte das Café bereits im Juni eröffnen können, indem man eine Seitenterrasse hergerichtet hätte. Damals seien allerdings die Inhaber mit dem Innenausbau noch nicht so weit gewesen. Er ist jedoch vorsichtig mit Prognosen, wann der Bezirk denn nun endlich die Arbeiten beende. Nur so viel lässt er sich entlocken: „In diesem Jahr wird es mit Sicherheit noch fertig.“

Heinz Biedermann ist überaus froh, Riefstahl und Aydogan in der Nachbarschaft zu wissen: „Sie üben soziale Kontrolle aus. Seitdem die beiden da sind, ist es zu viel weniger Zerstörungen gekommen.“

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