Berlin : Café Moskau

Christine Lang

Selbst als passionierte Clubgängerin seit Anfang der 90er Jahre habe ich es noch immer nicht in alle Berliner Clubs geschafft. Das wäre halb so schlimm, wenn bis zum vergangenen Samstag nicht auch einer der größten und vielleicht wichtigsten, das „Café Moskau“ in der Karl-Marx-Allee, auf meiner Liste gefehlt hätte. Dabei galt das Moskau, ähnlich der alten Akademie der Künste im Hansaviertel oder dem Haus der Kulturen der Welt, als eine der schönsten Retroschick-Locations.

Der in den frühen 60ern von Josef Kaiser und Werner Dutschke auf Wunsch von Walter Ulbricht entworfene Glasbau, zu DDR-Zeiten ein Ort für höhere Gastronomie, hat seit der Wende eine lange Party-Geschichte hinter sich. Anfang der 90er liefen hier die ersten Clubpartys im Rosengarten, und das damals noch coole 90° hatte hier seine Heimat. Später versäumte ich dann die After-Love-Parade-Partys und im neuen Jahrtausend sogar das WMF, das hier für zwei Jahre eingezogen war. Hinzu kamen unzählige Filmpartys und Ausstellungen: alles verpasst!

Zurzeit beherbergt das Café Moskau diverse Veranstaltungsreihen. Sonntags findet das aus den WMF-Zeiten übrig gebliebene GMF, eine der hippsten Schwulenpartynächte, statt. Einmal im Monat zieht die Lokalrunden-Lesung in die Räume, ebenso wie die baambi Lounge. Die baambi Lounge ist eine Clubnacht, deren Veranstalter viel Wert auf modern japanisch angehauchtes Dekor und kulinarischen Genuss legen. Zu Funk und Elektro wird Fingerfood von Kuchi gereicht und auf Designerliegen gelümmelt. Getanzt wird allerdings auch.

Je nach Veranstaltung sind verschiedene Floors geöffnet. Bei 15 Räumen auf drei Etagen empfiehlt sich ein Handy, um seine Freunde wiederzufinden. Beim letzten Mal waren aber nur die Lounge im Erdgeschoss und der angeblich verkleinerte, aber immer noch sehr großzügige Kellerclub geöffnet. Überraschenderweise war das Moskau viel weniger schick und teuer als erwartet. Immerhin haben hier die „Brigitte“ ihr 50-jähriges Jubiläum und die Modemesse Bread & Butter gefeiert. Der Boden des Kellerclubs aber erzählt von einem Party-Publikum, das hemmungslos Kaugummis und Zigaretten auf Teppichboden ausdrückt. Das wiederum lässt auf ausgelassene und viel versprechende Partynächte schließen.

Do, 20.10. ab 23 Uhr: „baambi Lounge“, Funk & Elektro / Fr, 21.10. ab 23 Uhr: „Reggae im Moskau“ mit DJ Barney Millah. Café Moskau, Karl-Marx-Allee 34. Infos online: www.das-moskau.com

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