Cakepop-Bäckerei : Kuchen, total stielvoll

Mag sein, dass viele Cupcakes noch für ein Trendgebäck halten. Doch aus Frohnau kommt schon die nächste Idee: Cakepops sind Kuchen am Stiel – die krümeln auch nicht.

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Sind sie nicht süß? Isabel Eschenweck und Benjamin Hoffmeier, auch privat ein Paar, backen zusammen.
Sind sie nicht süß? Isabel Eschenweck und Benjamin Hoffmeier, auch privat ein Paar, backen zusammen.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Es klingt wie eine Geschichte aus einem verträumten Kinderbuch: Verschlungene Treppen führen hinauf zur Zuckerbäckerei, die Tür öffnet sich und in der Kälte schlägt einem der hitzige Geruch von frischem Kuchen und Schokolade entgegen. Der Rührteig stapelt sich in Blechen übereinander, an der Wand und in fahrbaren Regalen.

„Ben und Bellchen“ stehen in der Tür. So nennen sich Benjamin Hoffmeier und Isabel Eschenweck. Es ist ihre Backstube in den ehemaligen Gewerberäumen, die sich an Hoffmeiers Elternhaus in Frohnau anschließen. Die beiden 26-Jährigen produzieren sogenannte Cakepops – nach dem Cupcake soll dies das neue Trenddessert werden. Der Cakepop ist eine etwa golfballgroße Kuchenkugel am Stiel, überzogen mit Schokolade. Einer kostet bei „Ben und Bellchen“ um die drei Euro. Zu kaufen gibt es den Cakepop über den Onlineshop, außerdem in verschiedenen Cafés und Geschäften wie der „Chocolateria Sünde“ in Kreuzberg und bei „Mamsell“ in Schöneberg.

Der Cakepop ist auch deshalb so beliebt, weil er sich gut transportieren lässt. Zu hunderten wird das Dessert in die ganze Bundesrepublik verschickt. Um Weihnachten herum und zur Fashion Week produzierten die Frohnauer bis zu 4000 Stück pro Woche. Der Cakepop wird vor allem auf Hochzeiten, Messen und Firmenfesten verspeist. Er krümelt nicht und dank des Stiels werden nicht einmal die Finger klebrig. Fast schon zu makellos wirken auch die Räumlichkeiten der Bäckerei. Das kleine Büro mit dem Blümchensofa ist ganz in Weiß gehalten, es gibt weißen Dielenboden, weiße Schreibtische und weiße Schränke.

Eschenweck und Hoffmeier kennen sich schon seit der Grundschule. Später studierten sie Kommunikationswissenschaften. Seit einigen Jahren sind sie auch privat ein Paar. Bei einem gemeinsamen Sprachurlaub in London vor mehr als zwei Jahren lernten sie ihre Zukunft kennen: Cupcakes und Cakepops. An Marktständen verkauften die Zuckerbäcker ihre Ware. „Wir waren fasziniert von diesen kleinen Kunstwerken“, sagt Eschenweck. Aus ihrem Kragen ragt eine große rote Schleife, die sie ab und zu zurechtzieht. „Es war toll, dass man die Leute hinter dem Produkt gesehen hat. Da hat man die Leidenschaft gespürt“, sagt Hoffmeier.

Ein Jahr nach der London-Reise standen die beiden auf der anderen Seite der Ware. Auf dem Neuköllner Markt am Maybachufer starteten sie einen Testlauf mit ihren eigenen Cupcakes und Cakepops. Dafür hatten sie sich zunächst in einer Mietbackstube in Reinickendorf einquartiert, bevor sie sich später ihre eigene Backstube einrichteten. Ohne Konditorausbildung brauchte einer von ihnen zudem eine Sondergenehmigung der Konditorinnung. Dazu musste Isabel Eschenweck Seminare besuchen und vor Publikum backen. „Am Anfang wusste ich: Ich koche und ich backe gern. Aber der letzte Schliff fehlte mir noch.“ Benjamin Hoffmeier lernte mit und so gingen sie in Produktion.

Mittlerweile gibt es Cupcakes nur noch auf Bestellung. Denn Cakepops lassen sich leichter transportieren. Es gibt sie in mehreren Geschmacksrichtungen, variierend nach Jahreszeit. Besonders beliebt ist der Brownie-Cakepop, ebenso die Sorte Mandel- Schoko nach einem Kuchenrezept von Eschenwecks Großmutter. Nach dem Backen wird der Teig zerkrümelt und mit einem Gelee vermengt. Daraus werden die Kugeln geformt, aufgespießt und mit Schokolade überzogen. Ein Geheimnis machen Eschenweck und Hoffmeier daraus nicht. Sie geben Cakepop-Seminare in der Backschule „Fräulein Büker“ in Moabit.

Regelmäßig kommen Sonderwünsche für spezielle Anlässe. Viele Unternehmen wünschen sich ihr Logo auf den Cakepop. Für die Fashion Week schickte ein Kosmetikhersteller Nagellack in verschiedenen Farben – die Cakepops sollten farblich dem Lack entsprechen. Für ein anderes Kosmetikunternehmen stellten „Ben und Bellchen“ Lippen her, Schuhe wurden angefragt, zu Weihnachten gab es Schneemänner und Tannenbäume. Fast klingt alles zu märchenhaft. Aber für die Macher ist es ein ernstes Geschäft. „Wir kriegen alles hin“, sagt Eschenweck. Die nötige Sorgfalt bringt das Paar offenbar mit. Sogar die Anfrage nach Cakepops in Form und Farbe eines Hundehaufens erfüllten sie. Hinter dieser Großbestellung steckte der letztlich doch ganz appetitliche Scherz eines Unternehmens.

Zwölf Stunden Arbeitstag, keine freien Wochenenden – das ist für Eschenweck und Hoffmeier zur Gewohnheit geworden. Inzwischen können sich „Ben und Bellchen“ eine Vollzeitkonditorin zur Unterstützung leisten. Und was machen sie, wenn sie abends mit dem Backen fertig sind? Dann stellen sie sich zu Hause am liebsten wieder in die Küche. Kochen ist neben dem Backen ihre zweite Leidenschaft.

Mehr Informationen im Internet:

www.ben-und-bellchen.de

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