Caligari-Preis für Regisseur Kidlat Tahimik : Seine Karriere begann mit einem bunten Taxifahrertraum

Der philippinische Regisseur Kidlat Tahimik bekam zur Berlinale den Caligari-Preis überreicht. Als Ehrung für seinen Forum-Beitrag „Balikbayan #1“. Tahimik setzt sich seit 1977 in seinen Werken mit dem Kolonialismus und dessen Nachwehen auseinander.

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Geehrt mit dem Caligari-Preis. Regisseur Kidlat Tahimik.
Geehrt mit dem Caligari-Preis. Regisseur Kidlat Tahimik.Foto: Kidlat de Guia / promo

Seine Verbundenheit mit Berlin trägt der Caligari-Preis bereits im Namen. Entlehnt ist er schließlich dem Titel des expressionistischen Filmklassikers „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920), von Regisseur Robert Wiene in Berlin gedreht und 2014 auf der Berlinale restauriert wiederaufgeführt. Und verliehen wird der Preis, den der Bundesverband kommunale Filmarbeit und die Zeitschrift „film-dienst“ gestiftet haben, alljährlich auf der Berlinale.

Am Freitagabend war es wieder soweit: Der Preis, eine Statuette plus 4000 Euro, ging an den philippinischen Regisseur Kidlat Tahimik für seinen Forum-Beitrag „Balikbayan #1“ – wie so oft in seinem Werk eine Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus und dessen noch immer fortwirkenden Nachwehen. Es ist zugleich die Fortführung eines bereits 1980 begonnenen Filmprojekts, das sich um den 1521 auf den Philippinen erschlagenen Weltumsegler Magellan und seinen Sklaven Enrique dreht, eine Rolle, die Tahimik 1980 noch selbst spielte.

Werner Herzog gab dem jungen Regisseur einst Starthilfe

Für den Regisseur muss der in Berlin verliehene Preis etwas Besonderes bedeuten: Hier, zur Berlinale 1977, hatte er seine Laufbahn begonnen, die ihn zu einem der wichtigsten Filmemacher seines Landes machte. Sein Debütfilm, als Regisseur und Hauptdarsteller, hieß „Mababangong Bangungot“ („Der parfümierte Albtraum“) und handelte von einem jungen philippinischen Taxifahrer, der von Amerika als seinem gelobten Land träumt. Ein reicher Amerikaner nimmt ihn mit nach Paris, wo er aber nur dessen Kaugummiautomaten auffüllen darf.

„Geheimtipp“, „ein Kultfilm fast“ – so wird der Film in Berlinale-Publikationen gepriesen. Starthilfe hatte der junge Regisseur von Kollege Werner Herzog erhalten. Tahimik lebte damals zeitweise in Deutschland, heiratete eine Deutsche und wurde von Herzog 1974 in dessen Kaspar-Hauser-Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“ für eine Rolle verpflichtet.

Sein Debüt hat offenbar tiefen Eindruck hinterlassen. Als er am Freitag im Restaurant „Centolire“ in der Leipziger Straße essen ging, erkannte ihn der Wirt: Er hatte den Film als 13-Jähriger gesehen.

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