Camp auf dem Oranienplatz : Flüchtlinge ziehen Sonntag um

Einige leben seit mehr als einem Jahr auf dem Oranienplatz - an diesem Sonntag ziehen die Flüchtlinge in ein Haus der Caritas in Wedding. Allerdings dürfen sie dort nur ein halbes Jahr bleiben

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Schluss mit Kälte, Regen und Schlamm: Die Flüchtlinge ziehen nach Wedding. Mit dem Provisorium und der Ungewissheit ist dagegen noch nicht Schluss. Ende März müssen sie wieder raus.
Schluss mit Kälte, Regen und Schlamm: Die Flüchtlinge ziehen nach Wedding. Mit dem Provisorium und der Ungewissheit ist dagegen...Foto: dpa

Am Sonntag ziehen 80 Flüchtlinge vom Oranienplatz in Kreuzberg in ein früheres Seniorenheim in Wedding um. Das bestätigten sowohl die grüne Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg, Monika Herrmann, als auch die Aktivistin Taina Gärtner, die seit fünf Monaten mit den Flüchtlingen auf dem Oranienplatz campiert, obwohl sie eigentlich eine Wohnung hat. „Wir waren gerade dort und haben uns das Haus angeschaut“, sagte Gärtner am Sonnabend. „Es ist alles ordentlich, einige Sachen müssen noch gemacht werden.“ Das Haus, das der Caritas und damit der katholischen Kirche gehört, stand zwei Jahre leer. Einige Duschen funktionieren laut Gärtner noch nicht, es sollen im Lauf der Woche auch noch zwei Küchen eingebaut werden.

Flüchtlinge können bis Ende März in Notunterkunft bleibe

Da die Flüchtlinge ihre Asylanträge großteils in Italien gestellt haben, ist weiter unklar, was aus ihnen wird. „Das ist erst mal nur ein Zeitgewinn“, sagt Herrmann. „Die Unterbringung erfolgt im Rahmen der Kältehilfe und ist Ende März vorbei.“ Bis dahin müsse das Land Berlin Klarheit haben. Die Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten, obwohl sie gern möchten. „Sie haben Berufe gelernt und auf Baustellen in Libyen gut verdient, bis man sie hinauswarf“, sagt Taina Gärtner. Das sei ein „gnadenloser Absturz“.

Zu Besuch im Camp am Oranienplatz
Das Flüchtlingscamp am Oranienplatz ist umstritten und politisch nur geduldet. Doch es hat auch viele Unterstützer. Zuletzt besuchten die Grünen-Politikerinnen Canan Bayram (MdA, Sprecherin der Berliner Grünen für Migrations-, Integrations- und Flüchtlingspolitik) und Barbara Lochbihler (Foto; MdEP, Grüne, Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europäischen Parlaments) die Bewohner, um sich näher über ihre Lebenssituation zu informieren.Weitere Bilder anzeigen
1 von 24Foto: Björn Kietzmann
28.08.2013 16:37Das Flüchtlingscamp am Oranienplatz ist umstritten und politisch nur geduldet. Doch es hat auch viele Unterstützer. Zuletzt...

Beim Linken-Parteitag kritisierte Sozialexpertin Elke Breitenbach am Sonnabend die Flüchtlingspolitik des Senats. Landeseigene Unternehmen müssten mehr Wohnungen für Flüchtlinge bereitstellen. Die frühere Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) habe in ihrer Amtszeit einen entsprechenden Vertrag mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften abgeschlossen.

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