Berlin : Cannabisplantage im Ingenieurbüro

Vater und Sohn stehen wegen bandenmäßigen Drogenanbaus vor Gericht

Der Ingenieur war in großer Erklärungsnot, als er wegen eines Schwelbrandes die Feuerwehr ins Büro lassen musste: Statt Akten waren es um die 2000 Pflanzen, die sich in seinen fünf Räumen befanden. Die professionelle Cannabisplantage soll der 69-jährige Reiner S. gemeinsam mit seinem 47-jährigen Sohn betrieben haben. Ein dritter Komplize war laut Anklage in die Aufzucht verstrickt. In dem seit Freitag laufenden Prozess geht die Staatsanwaltschaft deshalb von einem bandenmäßigen Drogenanbau aus.

Auf einen Stock gestützt betrat der Vater den Gerichtssaal. An seiner Seite der Sohn, ebenfalls ein Ingenieur, der im Bereich Klimatechnik tätig sein soll. Reiner S. hatte die 230 Quadratmeter in einem Bürogebäude in der Gerichtsstraße in Wedding gemietet. Der Sohn soll die technische Ausstattung besorgt haben. Die Polizei fand nach dem Brand am 30. Mai 2010 eine professionell belüftete und bewässerte Anlage, eine Verpackungsmaschine sowie eine Türspion-Kamera und Monitore zur Absicherung nach außen.

Mehr als tausend erntereife Gewächse gab es sowie Jungpflanzen und Setzlinge. Zehn Kilogramm Cannabis wurden beschlagnahmt. Die Technik arbeitete auf Hochtouren: Die Stromkosten betrugen laut Anklage 1750 Euro im Monat und seien vom Vater beglichen worden. Der dritte Angeklagte soll ab Oktober 2009 mitgemacht haben. Der 49-jährige Peter P. hatte bei der Polizei gestanden: Er kenne die Plantage, habe dort „Gärtnertätigkeiten“ übernommen und zwölf Euro die Stunde erhalten. Vor Gericht verweigerte er wie Vater und Sohn die Aussage.

Entscheidend wird die Frage sein, ob die Richter von einer Bande ausgehen. Sollte das der Fall sein, drohen Gefängnisstrafen von mindestens fünf Jahren. Der Prozess geht am 9. August weiter. K.G.

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