Berlin : Caritas gegen Einsamkeit: Hilfsorganisation stellte neuen Schwerpunkt ihrer Arbeit vor

Die Caritas will sich im nächsten Jahr verstärkt der wachsenden Zahl von einsamen Menschen zuwenden. Vor allem jüngere Menschen lebten mehr und mehr allein, mehr als ein Drittel aller Haushalte seien Einpersonenhaushalte, erläuterte der Präsident des katholischen Wohlfahrtsverbandes, Hellmut Puschmann, in Berlin das Jahresthema. Allein zu leben bedeute nicht unbedingt, einsam zu sein. Hohe Selbstmordraten, eine wachsende Zahl von Suchtkranken sowie vermehrte Anfragen bei Partnerschaftsvermittlungen seien Hinweise auf verstärkte Einsamkeit.

Außerdem seien über die Hälfte aller Alleinstehenden auch erwerbslos. Im Osten liege der Anteil sogar bei rund 65 Prozent. Für diese Menschen fehlten neben den familiären auch die beruflichen Kontakte, sagte Puschmann weiter. Andererseits führe die Struktur des modernen Arbeitslebens mit langen Arbeitszeiten, weiten Wegen zum Arbeitsplatz und unsicheren Anstellungsverhältnissen häufig zu verstärkter Isolation.

Einsamkeit sei ein Massenphänomen, das sich nicht auf eine bestimmte Altersgruppe oder soziale Situation beschränken lasse, so der Caritas-Präsident weiter. Alter, Krankheit, fehlende Zuwendung von Eltern oder Behinderungen könnten die soziale Isolation auslösen. Die Fremdenfeindlichkeit, die in den letzten Jahren durch politische Diskussionen noch verstärkt worden sei, mache auch immer mehr Ausländer, Flüchtlinge oder anders Aussehende zu einsamen Menschen. Die Caritas widmet sich nach eigenen Angaben mit ihren Ehe- und Familienberatungsstellen, in Kindereinrichtungen, Alters- und Pflegediensten, Drogenberatern und Streetworkern den Menschen ohne ausreichende soziale Bindungen.

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