Berlin : Carl von Preußen: "Sir Charles" als Beschützer des Schönen

Helmut Caspar

Wenn Prinz Carl, der heute vor 200 Jahren, am 29. Juni 1801, geborene dritte Sohn des preußischen Königspaares Friedrich Wilhelm III. und Luise, Verwandten schrieb, unterzeichnete er stolz mit "Sir Charles Glienicke". Der launige Titel verweist auf den Landsitz zwischen Berlin und Potsdam, den der junge Prinz schon 1824 aus der Hinterlassenschaft des Staatskanzlers Hardenberg übernahm, um sich hier ein eigenes Reich zu schaffen. Die neue Ausstellung der Preußischen Schlösserstiftung "Beschützer des Schönen" wird an diesem Sonnabend im Schloss Glienicke eröffnet. Das Schloss- und Parkensemble gilt als Lebenswerk des Prinzen, dem Hermann Fürst von Pückler-Muskau den Titel "Kenner und Beschützer des Schönen" verlieh.

Die Ausstellung dokumentiert ausgiebig das Leben des Prinzen, der als Nachgeborener keine Aussicht hatte, den preußischen Thron zu besteigen, weshalb ihm nur die übliche militärische Karriere blieb. Zum Generalfeldzeugmeister avanciert, trug er wesentlich zur Modernisierung des preußischen Waffenwesens bei. Auch als Herrenmeister des nach mittelalterlichem Vorbild neu gestifteten Johanniterordens war Carl eine wichtige Stütze der Monarchie.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der Hohenzoller indes nicht bei der Armee, sondern als Landedelmann, Kunstfreund und Weltenbummler. Er galt als vorzüglicher Kenner, der sich eine beachtliche Antiken- und Mittelaltersammlung anlegte. Ausgewählte Stücke werden in der aktuellen Ausstellung präsentiert. Zahlreiche Reisen führten ihn nach Italien, Russland (dessen Zaren mit den Hohenzollern verwandt waren) und in andere Länder. Dabei suchte er Relikte antiker und mittelalterlicher Kunst und Architektur. Der manische Sammler schmückte sein Palais am Wilhelmplatz in Berlin und sein Landschloss in Glienicke mit Figuren, Mosaiken oder Säulen aus Palästen, Kirchen und Klöstern. Was in den Häusern nicht unterzubringen war, stellte er im Glienicker Schlossgarten auf.

Die Schau im Erdgeschoss des klassizistischen Landhauses am Jungfernsee belegt die rege Bautätigkeit des Prinzen, dem Schinkel und Lenné zur Seite standen. Zahlreiche Gemälde, Skulpturen, Aquarelle, Lagepläne, historische Fotografien und andere Dokumenten unterstreichen, dass Carl das "andere Preußen" vertat, wie Schlösserdirektor Burkhardt Göres erklärt. "Er sammelte nicht nur für sich und stützte sich für seine Leidenschaft auch in hohe Schulden. Vielmehr überließ er auch bedeutende Teile seines Besitzes als Leihgaben dem Berliner Kunstgewerbemuseum und dem Zeughaus Unter den Linden. Damit erwies er sich als ein bedeutender Mäzen". Dass in dem Musensohn doch auch ein Militär steckte, zeigt seine große Waffensammlung, aus der einige Beispiele in der Glienicker Schau präsentiert werden.

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