Cartoon-Ausstellung : Jeden Tag ein Witz

Die Welt vom Schreibtisch beobachten und einen Witz über das Geschehen gekonnt zu Papier bringen - das ist die Kunst eines guten Cartoonisten. Der Cartoonist Beck beherrscht das - am Boxhagener Platz sind aktuelle Zeichnungen von ihm zu sehen.

Berlin - bekannt aus "zitty, "Brigitte", "taz" oder "Die Zeit", ist seit Jahren erfolgreich in dieser kleinen Branche tätig. Am Freitag eröffnet Beck, der so viel Wert darauf legt, dass sein Vorname nicht bekannt wird, mit einer Vernissage seine aktuelle Ausstellung in der Cartoonfabrik am Boxhagener Platz.

"Ich recherchiere über politische Themen im Internet und höre Radio", erklärt Beck seine Arbeit. Doch all das Wissen müsse er dann stets wieder schnell vergessen, um überhaupt einen Witz daraus machen zu können. Die Schau in der Krossener Straße 23 zeigt 100 Cartoons, in Farbe oder in schwarz-weiß. Sie behandeln Alltagsthemen, widmen sich aber auch politischen Ereignissen. Hoffentlich bekommen wir keinen Ärger, hofft Cartoonfabrik-Betreiber Wolfgang Kleinert, als er vor einer Moschee-Zeichnung steht. Daneben hängt gleich ein Cartoon mit dem Dialog: "Können wir nicht wenigstens im Urlaub auf deine Berater verzichten?" - "Moment, ich frage eben mal!".

Kleinert, der früher für den "Eulenspiegel" arbeitete, betreibt seit August dieses Jahres die Cartoonfabrik in Friedrichshain. "Aber wir hatten zuvor schon anderswo Galerien", erzählt der heutige Geschäftsführer des Vereins Cartoonfabrik, der die Galerie betreibt. Diese Zeichnungen hätten ihn schon zu DDR-Zeiten begeistert. Er habe als Junge das Buch "Der freche Zeichenstift" mit diversen Illustrationen besessen. Jede einzelne Zeichnung hätte er damals mit schriftlichen Bewertungen versehen. Heute beurteilt der Berliner Zeichnungen von Berufs wegen. Schließlich besitzt er einen eigenen Postkartenverlag für Cartoons. "Seitdem habe ich eine Berufskrankheit", betont Kleinert. Jede Zeichnung werde danach begutachtet, ob eine Postkarte daraus gemacht werden könnte. Richtig offen und vorurteilslos sei er leider nicht mehr.

100 Cartoons von Beck

Von dem gebürtigen Leipziger Beck werden sechs Postkarten erscheinen, die deutschlandweit in den Vertrieb gehen. "Beck hat einen wunderbar leichten Strich", lobt Kleinert das Werk des 48-Jährigen. Bei ihm krache es nicht, er sei ein leiser Zeichner. Besonders seine schwarz-weißen Cartoons seien offen und zeigten mit wenigen Strichen das Wesentliche. Beck habe selbst ausgewählt, was er in den beiden Räumen am Boxhagener Platz präsentiere. Wer nach den 100 Cartoons weitere Werke des Cartoonkünstlers kennen lernen möchte, muss nur täglich seine Internetseite schneeschnee.de besuchen. Einmal am Tag veröffentlicht Beck dort eine aktuelle Zeichnung. Im Oktober thematisierte er unter anderem die Frankfurter Buchmesse und setzte das Flirt- und Kochverhalten von Mann und Frau in Bilder um.

Die Ausstellung "Am Strand bei Windstärke 12", benannt nach dem gleichnamigen, beim Carlsen Verlag erschienenen Buch, beginnt am Samstag. Jeweils von Mittwoch bis Sonntag, von 14 bis 19 Uhr, kann die Schau besucht werden. Sie endet am 26. November. Es wird eine Ausstellung von Fil mit "Didi&Stulle" folgen.

Cartoonfabrik
Krossener Straße 23
10245 Berlin (Friedrichshain)

(Von Nadine Schimroszik, ddp)

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