Berlin : Casino, Saarbrücker Straße 36-38 in Prenzlauer Berg

Andreas Oswald

Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Das weiß jeder, der vor ein Uhr in einen Club geht. Dann ist es noch gähnend leer, allenfalls einhundert Leute verteilen sich über die Ecken eines großen Areals. Die Härte sind vor allem Quiz-Shows, die manchmal zu diesem Zeitpunkt noch laufen. Nach Fernsehvorbild treten dort Mannschaften gegeneinander an, sagen wir die Redaktionsmannschaft von "Sat1" gegen "100,6", oder "Prinz" gegen die Internet-Klitsche xy.de.

Solche Shows sollen nicht nur den meist flauen Beginn des Club-Abends versüßen, sie bringen dem Veranstalter auch eine Menge Geld, wenn sie von einem Konzern wie West betrieben werden. Wenn der Zigarettenkonzern eine Club-Show veranstaltet, heißt das nicht nur einfach West, sondern "West Att@ck". Das so attackierte Publikum gähnte letzten Freitag ausgiebig. So war es vielleicht keine so gute Idee, dass der legendäre Party-Veranstalter Kings Club bei seinem Umzug vom WMF ins Casino die Glimmstengel-Verkäufer mit ins Boot nahm.

Zum Glück kamen später die bewährten DJs zum Zuge, da war die Clubwelt wieder in Ordnung. Das Casino in der Saarbrücker Straße ist zu einer ersten Adresse für Partyveranstalter geworden. Das Riesengelände sieht aus wie ein altes heruntergekommenes Stasi-Gelände und hat noch jenen Charme, den die Clubs unmittelbar nach der Wende in alten Gemäuern versprühten. Offenbar gibt es doch immer noch Brachen in der mittlerweile ziemlich zugebauten Mitte der Stadt.

Und es gibt immer nachfolgende Generationen von Clubberinnen und Clubbern, die die alten Industrie- und Schlachterhallen lieben. Tausende strömen jedes Wochenende zu den angesagten DJs hierher.

Auch Motte lieben sie noch. Motte bekommt demnächst die ultimative Auszeichnung der deutschen Unterhaltungskunst verliehen, ein Bambi. Das hält er dann vielleicht triumphierend unter dem Gelächter des Publikums hoch, wenn er wieder auflegt. Vielleicht wird Bambi auch das Maskottchen der nächsten Love Parade. Und Motte hält wieder eine seiner philosophischen Reden, diesmal über "Bambi und den Weltfrieden".

Eine kleine Warnung vor dem Casino sollte aber hier noch gegeben werden. Es gibt volle Clubs. Es gibt auch sehr volle Clubs. Dann gibt es noch das Casino. Wer es gerne eng mag und Stallwärme liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer mit Enge ein Problem hat, sollte etwa gegen ein Uhr den Laden verlassen. Dann ist die Blödel-Show noch voll im Gange, aber eine Fortsetzung und die Bambi-Verleihung kann man sich auch anschließend im Fernsehen angucken.

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