Berlin : Catwalk durchs Tor

Die Stadt kommt immer mehr in Mode – das Großereignis „FashionWeek“ darf auf den Pariser Platz

Grit Thoennissen

Im Sommer müssen sich Touristen einige Tage lang ein neues Lieblingsmotiv für ihr Erinnerungsfoto aus Berlin suchen. Vom 12. bis 15. Juli wird das Brandenburger Tor als Mittelpunkt der erstmals stattfindenden „Mercedes-FashionWeek“ komplett mit einer 1,5 Millionen Euro teuren Zelt- und Containerkonstruktion umbaut. Etwa 15 international bekannte Designer werden dann ihre Mode für Frühjahr/Sommer 2008 durchs Tor schicken. Eröffnet wird das Spektakel standesgemäß von Hugo Boss, Deutschlands umsatzstärkstem Modeunternehmen.

Vorbild für die Berliner Veranstaltung ist New York. Dort lädt die Marketing- und Eventagentur IMG, die auch in Berlin für die Organisation verantwortlich ist, Presse und Einkäufer zu den Schauen ein. „Der New Yorker Bürgermeister liebt uns“, sagt die IMG-Vizepräsidentin Fern Mallis und spielt damit auf die rund 150 Millionen Dollar an, die durch die Fashion Week jede Saison nach New York fließen.

Darauf scheint auch der Berliner Senat zu setzen: Er lässt das ganze Areal ums Brandenburger Tor für drei Tage sperren. Erstmals gibt der Wirtschaftsenator auch Geld für Mode aus: Eine halbe Million Euro werden für die Förderung von Berliner Designern zur Verfügung gestellt. Fünf jungen Modelabels wird der Auftritt am Brandenburger Tor mit der finanziellen Unterstützung der Wirtschaftsverwaltung ermöglicht, unter ihnen sind die Designerduos C. Neeon und Kaviar Gauche.

New Yorker Dimensionen werde man in Berlin zwar erst einmal nicht erreichen, aber genug Potenzial gäbe es, sagt Christian Pirzer. Der Vize-Europachef von IMG freut sich jetzt schon auf die Pressefotos von den Modenschauen mit dem Tor im Hintergrund. „Ich bin mir sicher, die Motive werden um die Welt gehen.“ Für das Engagement von IMG gibt es laut Pirzer einen einfachen Grund: „Der deutsche Modemarkt ist riesengroß. Und bisher gab es zwar viele Modemessen in Deutschland, aber kein Lifestyle-Event, wo Mode öffentlichkeitswirksam präsentiert wird.“ Die Entscheidung für Berlin fiel IMG leicht: „Berlin ist kreativ, dynamisch, aufgeschlossen und die einzige Weltstadt in Deutschland.“

Seit 2003 finden in Berlin zweimal im Jahr Modemessen statt, auch in der Zeit dazwischen passiert viel in Sachen Mode: Hier arbeiten nicht nur hunderte Designer, auch Agenturen, Magazine und Produktionsstätten haben sich in den vergangenen Jahren hier angesiedelt. Einen empfindlichen Dämpfer bekam die Aufbruchstimmung Ende vergangenen Jahres durch den Weggang der einstmals größten Modemesse Berlins, der Bread & Butter, die jetzt ihr Fachpublikum nach Barcelona lädt. Viele sahen Berlins Karriere als Modestadt abrupt beendet.

Dass sich etwas tun muss, haben die Veranstalter der anderen großen Modeveranstaltung, der Premium, schon vor zwei Jahren erkannt. Damals knüpften Anita Bachelin und Norbert Tillmann erste Kontakte zu IMG. Die kümmerten sich dann um den Sponsor Mercedes-Benz, der auch das New Yorker Pendant unterstützt.

Die Modemesse Premium ist seit der Absage der großen Ausgabe der Bread & Butter die wichtigste verbliebene. Und auch die Zukunft Berlins ist – zumindest in modischer Hinsicht – inzwischen noch enger mit der Premium verknüpft: IMG arbeitet bei der Realisierung der Fashion Week weiterhin eng mit der Messe zusammen. Denn auch wenn das Modewochenende im Januar für die Premium mit mehr als 15 000 Besuchern das bisher erfolgreichste war, es fehlten die internationalen Besucher.

Mit der Fashion Week könnte es nun einen Qualitätssprung geben: Wenn deutsche und internationale Designer ihre Mode am Brandenburger Tor zeigen, wird hoffentlich wieder mehr Modevolk aus aller Welt angelockt, und durch das Medienspektakel rund um die Modenschauen wird auch die breite Öffentlichkeit mitbekommen, dass Berlin modisch hoffentlich erst am Anfang einer langen Erfolgsgeschichte steht.

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