Berlin : CDU Berlin: Die Bundes-CDU weint Diepgen keine Träne nach

"Gefallen kann einem so was natürlich nicht", sagt ein Mitglied des CDU-Bundespräsidiums. Die Führungskrise der Berliner CDU macht vielen in der Bundespartei Sorgen. Der Landesverband in der Hauptstadt steht auf andere Weise im Rampenlicht als das bei vergleichbaren anderen Stadtstaaten-Verbänden der Fall wäre: Die Ereignisse in Berlin werden im ganzen Land wahrgenommen. Dem tief gestürzten Eberhard Diepgen weint in den Führungszirkeln der Bundespartei kaum einer eine Träne nach. Allzu tief steckt noch der Groll über die Niederlage im Streit um die Steuerreform, die einst der Regierende der Union beigebracht hatte.

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Umfrage: Wer soll den Vorsitz der Berliner CDU übernehmen? Außerdem wird Diepgen zu guten Teilen mit angelastet, dass der Versuch der Bundes-CDU scheiterte, mit einem Spitzenkandidaten Wolfgang Schäuble ein politisches Schwergewicht in den Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus zu schicken. Die Erfahrung mit Schäuble trägt gewiss dazu bei, dass sich die Bundespartei jetzt zwar nicht unbedingt mit Rat, wohl aber mit Tat zurück hält. "Das Problem Parteivorsitz muss Berlin alleine lösen", lautet der allgemeine Tenor in der CDU-Führung.

An einen Import von außen denkt offenkundig niemand - auch "in Ermangelung einer geeigneten Person", wie es ein Szene-Kenner aus der CDU ausdrückt. Dahinter stehen aber vor allem grundsätzliche Überlegungen. Einen prominenten Parteifreund als Spitzenkandidaten von außen aufzustellen sei schon schwierig. Immerhin könne das gelingen. "Aber in das Amt des Parteichefs kann man niemanden von außen hineinschicken." Gerade in einem kleinen Verband wie Berlin könne niemand die Partei führen, der nicht wirklich alle Akteure, ihre Verbindungen untereinander, ihre Empfindlichkeiten und Eigenheiten seit langem gut kenne.

Überdies ist bei CDU-Bundespolitikern die Einschätzung verbreitet, dass die Berliner CDU weit davon entfernt ist, nach einem fremden Retter zu rufen. Der Landesverband empfinde sich selbst nicht als so weit am Boden liegend, dass er Hilferufe aussende. Mit einiger Verwunderung registrierten Bundespolitiker allerdings, dass die einst viel gerühmte "junge Garde" der Berliner CDU wie Peter Kurth, Wolfgang Branoner und Monika Grütters jetzt nahezu völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Andere genannte Kandidaten - Christoph Stölzl oder Günther Nooke - werden unter Bundespolitikern mit Skepsis betrachtet. Man traut ihnen nicht so recht zu, die nötige Härte aufbringen zu können, um erfolgreich zwischen den Untiefen der Berliner Landespolitik zu manövrieren.

Bei dem Gedanken, dass Frank Steffel am Ende mangels anderer Bewerber das Rennen macht, herrscht aber auch einiges Unbehagen: Steffel gilt in der Bundes-CDU weithin als Fortsetzung all dessen, was man mit der Berliner CDU und ihrem West-Filz stets an Negativem verbunden hat. Die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel steht jedenfalls mit den führenden Leuten der Berliner CDU in ständigem Kontakt. Die Einladung zur Fraktionsklausur Anfang März hat sie angenommen. Merkel wolle, heißt es im Adenauer-Haus, gerne Ratschläge geben, wenn man sie darum bitte. Die Parteichefin dränge sich aber den Parteifreunden ausdrücklich nicht auf.

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