Berlin : CDU Berlin: Ein erster Schritt zum Neuanfang

Lars von Törne

Im Machtkampf um die Führung der Berliner CDU zeichnet sich zunehmend Unterstützung für den Historiker Christoph Stölzl ab. Der frühere Kultursenator und jetzige Vizepräsident des Abgeordnetenhauses hatte am Sonnabend erstmals öffentlich erklärt, als Nachfolger für den vor einer Woche zurückgetretenen Eberhard Diepgen kandidieren zu wollen.

Fraktionschef Frank Steffel begrüßte Stö lzls Schritt am Sonntag im Gespräch mit dem Tagesspiegel und erklärte, selbst keine Ambitionen mehr auf das Amt zu haben. Auch mehrere andere CDU-Politiker äußerten sich positiv zu Stölzls Kandidatur. Kritik kam vom kommissarischen Parteichef Joachim Zeller.

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Umfrage: Wer soll den Vorsitz der Berliner CDU übernehmen? Der Bürgermeister von Mitte hielt Stölzl vor, dass der die SFB-Abendschau als Forum für seine Erklärung gewählt hatte. "Eigentlich sollte die Kandidatur zuerst einmal dem Landesvorstand und dem Fraktionsvorsitzenden bekanntgegeben werden, bevor man es an die Medien gibt", sagte Zeller im Inforadio. Er führt die Partei bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden zwischen Ende April und Ende Mai. Bislang waren auch ihm Ambitionen nachgesagt worden, dieses Amt nicht nur kommissarisch zu bekleiden. Am Wochenende erklärte er jedoch, nicht für den Vorsitz kandidieren zu wollen.

In den vergangenen Tagen hatte sich inder CDU bereits eine breite Unterstützung für Stölzl abgezeichnet. Er wäre "ein glänzender Landesvorsitzender" hatte zum Beispiel der CDU-Direktkandidat für die Bundestagswahl, Uwe Lehmann-Brauns, gesagt. Auch bei der Basis fand der Ex-Senator zunehmend Zuspruch. "Christoph Stölzl ist der richtige Mann zur richtigen Zeit", stellte der Vorsitzende des Ortsverbandes Grunewald-Halensee, Michael Garmer, am Wochenende fest. Er berief sich auf einen wachsenden Teil der Partei, der dies ähnlich sehe. "Die Berliner CDU braucht einen Vorsitzenden, der über die geistige und wirtschaftliche Unabhängigkeit verfügt, den Diskussions- und Öffnungsprozess in der Partei zu führen und zu moderieren", erklärte Garmer. Stölzl, der erst seit knapp einem Jahr CDU-Mitgied ist, sei in der Lage, "die Fenster zu öffnen und frische Luft hereinzulassen".

Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU lobte Stölzls Integrationskraft: "Seine generationsübergreifende Akzeptanz sowie seine Sachkompetenz werden vom Berliner Mittelstand geschätzt". Außerdem sei es für eine Erneuerung der CDU wichtig, dass Fraktions- und Parteispitze nicht in einer Hand liegen.

Ein deutliches Plädoyer für ein Führungsteam hatte auch Stölzl in der Abendschau abgegeben: Steffels "Rolle in der Fraktion als ein begnadeter, leidenschaftlicher Polemiker, Polarisator, Kämpfer gegen die rot-rote Regierung ist ja etwas, was Verstärkung braucht". Dabei könne er als Landesvorsitzender "sehr gut helfen".

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