Berlin : CDU Berlin: "Wir sind kein Freundeskreis, sondern eine Partei"

Wie würden Sie den Zustand der Berliner CDU b

Mitglied der CDU ist Christoph Stölzl erst seit März 2001. Trotzdem gehört der 58-jährige gebürtige Münchener zu den wenigen Hoffnungsträgern der Union in Berlin. Der ehemalige Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, der anschließend Kultur- und Wissenschaftssenator wurde, wird parteiiintern als Bewerber für den CDU-Landesvorsitz gehandelt.

Wie würden Sie den Zustand der Berliner CDU beschreiben?

Als gut und erfreulich. Es sind am Sonnabend viele Knoten geplatzt und es beschädigt eine Partei überhaupt nicht, wenn man offen miteinander redet und Gegensätze benannt werden. Sicher, die Berliner CDU war, in der Ära Diepgen bis vor einem Jahr, erfolgsverwöhnt. In solchen Zeiten erlahmt die lebendige innerparteiliche Sach- und Programmdiskussion.

Für den CDU-Landesverband waren offene Diskussionen fast immer ungewöhnlich.

Zum Thema Online Spezial: Die Berliner CDU nach der Diepgen-Ära
Umfrage: Wer soll den Vorsitz der Berliner CDU übernehmen? Es ist nie zu spät, damit anzufangen. Es ist eigentlich nur die Rückkehr zur politischen Normalität. Wir sind kein Freundeskreis und keine Familie, sondern eine Partei. Dass sich jemand wie Herr Eickhoff hinstellt, als Symbolfigur der "Hugenotten", also der Zugezogenen, und seine Gegenkandidatur zu Eberhard Diepgen erklärt, hat zunächst Verblüffung ausgelöst. Aber dann sagt man sich, warum eigentlich nicht? Talente sollen sich zeigen, auch auf Landesvertreterversammlungen der CDU. Von vornherein festgezurrte Personalabsprachen, die Harmonie vorgaukeln, sind eh nicht das Richtige. Auch nicht fürs Publikum, das ganz genau weiß, wie es in Parteien wirklich zugeht.

Sie sehen die tiefe Krise als große Chance?

Ich habe - mit Blick auf Diepgen - auf der CDU-Landesvertreterversammlung Heinz Ehrhard zitiert: "Und später blickt der Mensch zurück und sieht, sein Unglück war sein Glück." Es mag so ausgesehen haben, als hätte sich die 300 Versammelten vor allem Schmerzen zugefügt. Aber das Bild täuscht. Demokratie wächst durch Kämpfe, durch Mehrheitsbeschlüsse. Parteien sind keine Gesangsvereine mit Harmoniepflicht.

Aber Parteien wollen erfolgreich sein. Welchen Rat geben Sie der Berliner CDU, damit sie wieder erfolgreich wird?

Wir müssen gemeinsam die Zeit bis zum Mai nützen, wenn auf einem Landesparteitag ein neuer Vorstand gewählt wird. Welches Programm, welche Botschaft die Großstadtpartei CDU zu bieten hat, muss an der Parteibasis ausführlich beredet werden. Unsere Stellung als Oppositionspartei ist doch relativ komfortabel, weil es ziemlich katastrophal ist, was Rot-Rot in Berlin macht. Die Berliner CDU muss ihr Profil schärfen, in Bezug auf die Grundwerte und das C im Parteinamen. Die Ära Diepgen war von einer ungeheuer großen politischen Bandbreite gekennzeichnet. Das war auch ein Abgrenzungsproblem für die Union gegenüber der SPD.

Es geht "nur" um die Sache, nicht ums Führungspersonal?

Die CDU darf jetzt nicht nur Personen auswechseln, sondern muss die Inhalte ernster nehmen als bisher. Parteien sind dazu da, an der Willensbildung des Volkes mitzuwirken. Und wir sind - immerhin - die Union der Bundeshauptstadt und sollten versuchen, exemplarisch an der Spitze der politischen Diskussion zu marschieren.

Vielleicht mit einem CDU-Landesvorsitzenden Christoph Stölzl?

Die Partei hat mich zum Vize-Präsidenten des Abgeordnetenhauses gemacht. Das ist ein unmissverständlicher Auftrag.

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