Berlin : CDU-Chef Zeller schießt mit scharfen Worten zurück

Landesvorsitzender wirft innerparteilichen Kritiken „Partisanenmethoden“ vor. Kreischefs wollen Führungskrise selbst lösen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der CDU-Landeschef Joachim Zeller hat gestern mit jenen Parteifreunden abgerechnet, die ihn offenbar aus dem Amt drängen wollen. „Die Basis steht treu zur Partei“, sagte er dem Tagesspiegel. „Aber es gibt eine Hand voll Typen, die auch nach 25 Jahren CDU-Mitgliedschaft nichts anderes können als ihre verletzten Eitelkeiten zu pflegen“. Diese Leute arbeiteten „mit Partisanenmethoden und machen vor nichts Halt“. Zeller warf seinen innerparteilichen Widersachern vor, es in den vergangenen Jahren „geschafft zu haben, einen Teil der CDU-Wählerschaft zu verprellen“. Sie hätten den neuen, städtischen Wählerschichten nichts anzubieten. Das bewiesen zum Beispiel die Wahlerfolge der Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Und es war auch eine große Kunst, bei der letzten Bundestagswahl das Direktmandat in Steglitz-Zehlendorf an die SPD zu verlieren“.

Zeller will am Mittwoch auf dem CDU-Kreisparteitag in Mitte „ein paar Takte“ zu den jüngsten Querelen in der Berliner CDU sagen. Bis zum Parteitag am 28. Mai, auf dem er sich wieder um den Landesvorsitz bewerben will, werde man „alles Schritt für Schritt regeln“. Aber da haben die zwölf Kreisvorsitzenden der Union ein gewichtiges Wort mitreden. Sie sehen es offenbar als ihre ureigene Aufgabe an, die innerparteiliche Krise der Union zu überwinden. „Wenn die Wahlen in den Kreisverbänden vorbei sind, sollten wir uns zusammensetzen“, sagte der CDU-Kreischef in Hellersdorf-Marzahn, Mario Czaja. Alle übrigen Führungsgremien der Landespartei seien dafür „eindeutig zu groß oder ungeeignet".

Andere bezirkliche Spitzenpolitiker bestätigten, dass die CDU-„Kreisfürsten" Mitte April gemeinsam diskutieren wollen, wie bei der Neuwahl des CDU-Landesvorstands „das Beste für die Union herauszuholen ist". Eine Kampfkandidatur gegen Zeller soll vermieden werden. Sollte sich vor dem Wahlparteitag doch eine Mehrheit gegen den Parteichef Zeller abzeichnen, wollen die Kreischefs das Personalproblem offenbar schiedlich-friedlich lösen.

Gestern scharte sich die Partei wieder demonstrativ um ihren angeschlagenen Landeschef. Aber auch dabei gab es neue Konfusionen. So wollten CDU-Landesvorstand, Fraktionsführung und alle CDU-Kreischefs in einem offenen Brief an die „Berliner Morgenpost" das von der Zeitung aufgebrachte Gerücht energisch dementieren, dass der ehemalige Bundesminister Rupert Scholz gegen Zeller für den CDU-Landesvorsitz kandidiert. Aber diese Aktion wurde am späten Nachmittag abgeblasen. „Innerparteiliche Querelen sollte man nicht über eine Medienschelte austragen“, begründete Zeller den Rückzieher. Viele CDU-Funktionäre rätselten gestern immer noch, welche Parteifreunde den 67-jährigen Rechtspolitiker Scholz als Gegenkandidat zu Zeller ins Spiel gebracht haben könnte. Keiner will es gewesen sein. Andere sagen gar nichts mehr. Zum Beispiel der CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer, der vor dem Kreisparteitag in Tempelhof-Schöneberg am 9. April „kein Wort" zur innerparteilichen Lage verlieren will. Zimmer will erstmals Kreisvorsitzender werden und muss dafür Stimmen einsammeln. Auch der ehemalige CDU- Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzende Frank Steffel ist „telefonisch gar nicht zu erreichen", wie seine Sekretärin bedauerte. Unklar ist auch, welche Rolle ein „Alt-Herrenklub" ehemaliger Regierungspolitiker um den früheren CDU-Landeschef Eberhard Diepgen in der parteiinternen Diskussion spielt.

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