• CDU-Fraktion in der Formkrise – doch ihr Chef bleibt Zimmer bestreitet sein Führungsproblem nicht. Aber auch seiner Mannschaft mangelt es an Ideen

Berlin : CDU-Fraktion in der Formkrise – doch ihr Chef bleibt Zimmer bestreitet sein Führungsproblem nicht. Aber auch seiner Mannschaft mangelt es an Ideen

Werner van Bebber

Freunde und Gegner von CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer wundern sich gleichermaßen über ihren Vormann: Warum macht er sein Führungsproblem von sich aus zu Thema? Warum spricht er immer wieder an, was er für ein Disziplinproblem hält? Ein Wochenende lang war die Berliner CDU-Abgeordneten in Warschau in Klausur. Und hinterher reden manche, als stecke Berlins größte Oppositionsfraktion in einer schweren Krise: weil auf der Reise Abgeordnete fehlten oder das Programm nicht mitmachten oder wie der Landesvorsitzende Joachim Zeller so ausgiebig feierten, dass sie Protokolltermine nicht wahrnehmen konnten. Das ärgerte Zimmer besonders. Stellvertretend für andere wurde Christoph Stölzl, der häufig Abwesende, für sein Desinteresse an der Klausur gerüffelt.

Nicolas Zimmer bestreitet schon gar nicht mehr, dass er ein Autoritätsproblem hat. Er ist 34 Jahre alt; jünger als er sind nicht viele der 35 CDU-Abgeordneten. Darauf führen Zimmers Unterstützer und Kritiker die Schwächen zurück, die sie an seinem Führungsstil bemerken. Die Fraktion befinde sich immer noch „im Übergang“, sagt ein Abgeordneter, der den Zusammenbruch der alten, von Eberhard Diepgen und Klaus Landowsky geführten CDU miterlebt hat: „Es fehlt erstens ein Ziel und zweitens die Leidenschaft zu sagen, da wollen wir hin.“

Leidenschaft, Gefühl, Pathos – das verbindet keiner mit Zimmers Stil. Er selbst pocht auf „Sachlichkeit“, wenn Auseinandersetzungen persönlich werden. Doch sogar seine Freunde in der Fraktion wundern sich, dass er sich so schwer damit tut, auf Kollegen zuzugehen.

Zimmer wirkt eben meistens sehr korrekt, der Anzug sitzt perfekt, die Krawatte ist modisch, aber nicht aufregend, und er scheint gegenüber jeder Schulterklopferei oder anderen Zeichen von Herzlichkeit Abneigung zu empfinden. Da warte die Fraktion auf den Zug, erzählt ein Abgeordneter – und Zimmer spreche niemanden an. Er stehe da im Kreis der Mitarbeiter. Was das Spüren und erst recht das Verändern von Stimmungen anbelange – da sei Zimmer „ein Autist“.

Kein Wunder, dass Zimmer nach den beiden emotional ausgreifenden Fraktionschefs Klaus Landowsky und Frank Steffel manchen frösteln lässt. Kritikern fällt dann auch der schmale Output auf. Ein Dutzend Mitarbeiter habe die Fraktion, sagt ein Abgeordneter, doch ihr Profil sei nicht schärfer als das anderer Oppositionsparteien. Es gibt die Fachleute, die sich zu ihren Themen äußern. Doch die CDU-Fraktion hat kein großes Thema. Was daran liegen könnte, dass der Vorsitzende kein großes Thema hat. „Dieser Senat macht es uns unglaublich leicht“, sagt ein Abgeordneter – doch fehlten in der Fraktion die Impulse, um beispielsweise die Krise des Finanzsenators zu nutzen.

Zimmer lässt die Kritik an seinem Führungsstil scheinbar unberührt. Er mache seinen Job „ganz entspannt“, sagt er. Als gebe es nur entweder Teamwork oder Diktatur, setzt er darauf, dass ein Schock der Erkenntnis seine Abgeordneten jetzt endlich zu Fleiß und Disziplin bewegen wird. „Wir haben noch zwei Jahre Zeit“, sagt er. Wenn die Schwierigkeiten in der Fraktion anhalten, „dann können wir es abhaken“ – gemeint ist ein konkurrenzfähiger Auftritt bei der Wahl 2006.

Das sehen Zimmers Freunde und seine Gegner ebenso, und deshalb ist die gefühlte Formkrise keine direkte Führungskrise. „Stabilisieren“ wolle man Zimmer, heißt es innerhalb der Fraktion. „Wir haben keinen anderen.“

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