Berlin : CDU-Fraktionschef Landowsky auf klarem Kurs auf die CDU-Klientel

Ulrich Zawatka-Gerlach

Klaus Landowksy ist nicht leicht zu greifen, auch wenn er andere gern umgarnt. Das wissen seine Freunde, und das wissen seine Gegner. Der CDU-Mann - hätte es die Mauer, den Kalten Krieg und die 68er-Bewegung nicht gegeben, wäre er vielleicht Sozialdemokrat geworden - ist ein Spieler-Typ, taktisch versiert, mit allen Wassern gewaschen. 1995/96 wollte er Berlin-Brandenburg zunächst nicht und wandelte sich doch zum Fusions-Befürworter. 1997/98 wollte er die Bezirksgebietsreform nicht ("unerotisches Thema"), versammelte dann aber, bei der entscheidenden Abstimmung im Parlament, die gesamte, heftig murrende CDU-Fraktion hinter dem Projekt.

Das ist wohl der wesentliche Vorzug des Vollblutpolitikers und Bankdirektors, der ihm auch in der Wahlperiode 1995 - 1999 half: Zur rechten Zeit die Witterung aufnehmen und für das, was aus seiner Sicht richtig oder opportun ist, die eigenen Leute begeistern. Notfalls mit sanfter Gewalt.

Mit Finesse und Chuzpe gelang es ihm 1998 auch, seinen alten Freund Eberhard Diepgen vor dem politischen Abstieg zu bewahren. Gegen die Parteimehrheit arbeitete er darauf hin, den CDU-Landesvorsitz für Diepgen zu retten, um ihn als CDU-Spitzenkandidat nicht unrettbar zu beschädigen.

Eine Operation, bei der auch Landowsky Federn lassen musste. Die unbedingte Macht, die er als Fraktionschef und graue Partei-Eminenz über drei Jahrzehnte ausübte, wurde ihm in dieser Wahlperiode durch den aufmüpfigen, selbstbewussten CDU-Nachwuchs und -Mittelbau erstmals beschnitten. Macht nichts, sagte er sich, und paktiert seitdem mit der jüngeren Partei-Generation. Nicht nur älter ist er geworden, auch weiser. So sieht er sich jedenfalls selbst. "Klaus, der Softi", nennt man mich jetzt, sagte er kürzlich, und der Schelm saß ihm im Nacken. Dem SPD-Fraktionschef Klaus Böger war er ein verlässlicher Partner in allen Koalitionsgeschäften, die Chemie zwischen den Beiden stimmte. Wenn es schwierig wurde, und der Gesprächsfaden zwischen den Koalitionspartnern abzureißen drohte, suchten Landowsky und Böger nach gemeinsamer Sprache.

Aber bei anderen Sozialdemokraten kennt Landowsky keinen Pardon: Walter Momper hasst er geradezu. Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing möchte er wegekeln und spricht ihr jedes politische Talent ab. Die Haushaltskonsolidierung war ohnehin nicht sein Thema; engagiert hat sich der CDU-Mann in den zurückliegenden vier Jahren wieder am liebsten für kulturelle und Wissenschaftsprojekte. Für die "weichen" Standortfaktoren. Wenn es um soziale Probleme ging, reagierte Landowsky wie immer: sensibel, oft allerdings auch populistisch. Die "kleinen Leute", von denen in Berlin nicht mehr viele die SPD wählen, will er als CDU-Wähler unbedingt halten. Das ist seine Neue Mitte.

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