Berlin : CDU-Klausurtagung: "Die Fraktion will jetzt Klarheit"

Ulrich Zawatka-Gerlach

Abfahrt: 8.05 Uhr vom Bahnhof Zoo. Mit dem ICE "Wetterstein" macht sich Klaus Landowsky heute auf den Weg zum Kloster Banz, das auf grünem Hügel über dem fränkischen Städtchen Staffelstein thront. Dort wird, auf einer Klausurtagung der CDU-Abgeordnetenhausfraktion, der Abschied des Fraktionsvorsitzenden eingeläutet. Die Berliner Christdemokraten hoffen, dass Landowsky am Sonntag - kurz vor der Heimreise - endlich seinen Rücktritt ankündigen wird. "Die Fraktion will jetzt Klarheit", mahnt CDU-Fraktionsgeschäftsführer Alexander Kaczmarek an.

Landowsky arbeite immer noch an der Dramaturgie für die Übergabe des Amtes, weiß ein anderes Mitglied der CDU-Fraktionsführung. Er werde sich wohl "aus dem Bauch heraus" entscheiden. In der Umgebung des CDU-Landeschefs Eberhard Diepgen wird aber geflüstert: Unmittelbar nach dem CDU-Landesparteitag am 11. und 12. Mai finde der Wechsel statt. Ein schwieriger Abschied auf Raten. Die CDU-Fraktion ist unruhig und wird den Ausführungen des Paters Augustinus Heinrich Henckel-Donnersmarck und des Siemens-Chefs Heinrich von Pierer, die als Gastredner kommen, nicht mit voller Aufmerksamkeit folgen.

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Die Landowsky-Affäre Zeit für eine interne Aussprache bietet die offizielle Tagesordnung erst am Sonntagvormittag. Aber die Gänge des Klosters sind eine ideale Informationsbörse, und nach der Besichtigung der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen bietet sich am Sonnabend vielleicht ein Abstecher in die benachbarte Nothelfer-Brauerei an. In Nöten ist die CDU-Fraktion nicht, weil ihr ein Kandidat für das Amt des Fraktionsvorsitzenden fehlt. Der Jungunternehmer Frank Steffel kann mit einer komfortablen Mehrheit rechnen. Aber die Frage, ob nur der Fraktionschef oder gleich der gesamte Fraktionsvorstand neu gewählt werden soll, bringt einige CDU-Abgeordnete in große Not.

Die Vorständler Uwe Lehmann-Brauns und Michael Braun, die nicht mit einer Wiederwahl rechnen können, kündigten Widerstand an. Auch der CDU-Haushaltsexperte Kaczmarek warnt davor, dem Wunsch des "Kronprinzen" Steffel zu entsprechen und den Fraktionsvorstand neu zu wählen. Es sei schlechter Stil, wie der Wechsel an der Spitze vorbereitet werde. "Die Zeiten sind vorbei, dass ein Küchenkabinett wichtige Entscheidungen im Vornherein festknallt." Trotzdem schätzen die Steffel-Unterstützer ein: Mehr als 10 bis 15 "Unzufriedene und Frustrierte" gebe es in der Fraktion nicht. Für eine Satzungsänderung, mit der die Amtszeit des Vorstands um ein Jahr verkürzt wird, wäre die notwendige Zweidrittel-Mehrheit vorhanden. Aber niemand will den Streit. Man sucht nach einer friedlichen Lösung des Problems Landowsky. Im Kloster Banz.

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