Berlin : CDU lud Taxifahrer in Berlins edelste Garage ein

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Interessante Idee: Drei Stunden lang sollten Taxifahrer sich mit Politikern auseinandersetzen, sollten schimpfen und anregen können, aber ohne das übliche Podiumsdiskussionsritual mit Rede und Gegenrede, sondern als „drive in“: Wer nicht mehr reden oder zuhören wollte, sollte sich ins Taxi setzen und entschwinden können. Volker Liepelt, der stellvertretende Kreischef der CDU Mitte, hatte sich das Verfahren ausgedacht, um die üblichen Politsprech-Rituale etwas aufzulockern – und um das „Meilenwerk“ in seinem Kiez etwas bekannter zu machen.

Im Meilenwerk wurden zwischen schönen roten Backsteinen früher Züge repariert. Heute fällt das Licht durch die Glasdächer auf alte Ford Mustangs, Mercedes 300 SL, Aston Martins und auf neue Ferraris. Irgendwo in Berlin scheint es doch noch Leute zu geben, die etwas Geld übrig und Freude daran haben, dieses Geld in Gestalt von Superbenzin durch die acht Zylinder eines Pontiac strömen zu lassen. Umgeben von so viel schönem Spielzeug saßen Liepelt, der CDU-Finanz- und Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek, der Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller, sein Wirtschaftsstadrat Dirk Lamprecht und der Baustadtrat von Wilmersdorf-Charlottenburg, Klaus-Dieter Gröhler, um den Taxi-Fahrern zuzuhören. Von hinten sahen ein roter Lancia und ein dunkelgrüner Morris der Szene zu, von vorne kam das volle Programm taxifahrerischen Politikverdrusses: Angefangen mit den schlechten Straßen, die die Autos stärker belasten, über die Ordnungsamtsbediensteten, die offenbar gerne Taxifahrern in Halteverbotssituationen auflauern, endend beim wichtigsten Thema der Branche, der Frage, ob es zu viele Kozessionen gibt und wie dies die Schwarzarbeit befördert. Einmal fuhr im Hintergrund ein metallicfarbener Aston Martin DB 6 vorbei, doch davon abgesehen war nicht viel „drive in“. Taxifahrer mögen offenbar Podiumsdiskussionen. wvb.

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