Berlin : CDU und Kirche wollen Schulfach stoppen

Jeannette Goddar

Auf scharfe Kritik stößt in der CDU die von der Schulverwaltung für Februar 2000 angekündigte Einführung eines staatlichen Faches "Islamkunde" an sieben Berliner Grundschulen: "Absurd und nicht verfassungskonform" nannte es der Zehlendorfer Bildungsstadtrat Stefan Schlede, einer der führenden Bildungspolitiker der CDU. Unter der Ägide seiner Partei würde es den Unterricht "so mit Sicherheit" nicht geben.

Eine Verfassungsklage der CDU schloss Schlede allerdings aus. Doch es sei denkbar, dass man die Kirchen zu einer solchen ermuntern werde. Der evangelische Bischof Wolfgang Huber hatte bereits erklärt, das Fach Islamkunde sei verfassungswidrig.

Die schulpolitische Sprecherin der CDU, Marion Kittelmann, kommentierte die mehrfach verschobene und jetzt beschlossene Einführung der Islamkunde mit den Worten: "Versuch macht klug!" Auch ihr wäre allerdings ein Wahlpflichtbereich "erheblich lieber". Angesichts der bevorstehenden Wahlen könnte das gesamte Projekt in Gefahr sein. Der schulpolitische Sprecher der SPD, Peter Schuster, kündigte an, das Fach in jedem Fall zum Gegenstand der Koalitionsverhandlungen zu machen.

Der Türkische Bund Berlin/Brandenburg (TBB), der die Einführung des Faches als Alternative zu den oft fundamentalistischen und integrationsfeindlichen Koranschulen seit Jahren fordert, begrüßt das jetzt verabschiedete Konzept. "Nachdem wir mehrfach Verbesserungsvorschläge gemacht haben, wurden am Ende zahlreiche kompetente Experten hinzugezogen" sagte Eren Ünsal, Sprecherin des TBB. Nun gelte es noch darauf zu achten, dass der Unterricht zumindest anfangs von Lehrern nichtdeutscher Herkunft durchgeführt werde. "Das erhöht die Akzeptanz durch die Eltern." Die Aussicht, dass das Fach nach einem Senatorenwechsel nicht zustande kommen könnte, hält sie für fatal. Die Enttäuschung in der türkischen Gemeinde wäre riesengroß.

Die Schulbehörde reagiert gelassen. Bei den Rahmenplänen habe man besonders darauf geachtet, dass es sich um "islamische Kulturkunde" und nicht um Religionsunterricht handele, so die Sprecherin Almuth Draeger. "Wir können doch nicht bei allem, was wir tun, spekulieren, was nach den Wahlen passiert." Der Schulversuch soll im Februar in sieben ersten Klassen an sechs Kreuzberger und einer Schöneberger Grundschule beginnen. Nach drei Jahren wird Bilanz gezogen, ob das Modell von den muslimischen Eltern akzeptiert wird.

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