CDU und SPD streiten um Mitte : Kein Geld für Berlins historisches Zentrum

Die CDU will die Belebung der Brache vor dem Roten Rathaus voranbringen, die SPD will zuerst den Molkenmarkt entwickeln. Durchgesetzt haben sich jetzt die, die eine breite öffentliche Debatte über die Gestaltung der Mitte Berlins fordern.

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Freifläche am Roten Rathaus.
Freifläche am Roten Rathaus.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der koalitionsinterne Streit um die Zukunft der historischen Mitte ist aufgeschoben. Die Gegner einer breiten öffentlichen Debatte zur Gestaltung der Freifläche am Roten Rathaus haben sich vorerst durchgesetzt: Im Etat der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sind die Mittel für die geplanten öffentlichen Veranstaltungen und den Ideenwettbewerb zur Belebung der zugigen Brache zwischen Breite Straße und Alexanderplatz auf ein Minimum zusammengestrichen.

Die CDU-Fraktion nahm den Kompromiss zähneknirschend hin: „Endlich bewegt sich etwas beim Rathausforum“, sagte der Sprecher für Stadtentwicklung, Stefan Evers. Dagegen sagte Daniel Buchholz, in derselben Funktion Mitglied der SPD-Fraktion: „Wir brauchen keinen überhasteten städtebaulichen Wettbewerb zum Rathausforum“ – und deshalb sei der Kompromiss im Ausschuss für Stadtentwicklung gut gelungen. Konkret geht es darum, dass von den Geldern, die für einen Dialogprozess mit Workshop, Foren und Veranstaltungen erforderlich sind, nur ein Bruchteil vom Senat zur Verfügung gestellt werden – und das auch noch viel später, als von der CDU-Fraktion erhofft. Während die Christdemokraten bereits fürs kommende Jahr 600 000 Euro beantragt hatten, werden lediglich 75 000 bereitgestellt. Im Jahr 2015 werden weitere 225 000 Euro im Doppelhaushalt eingestellt, das sind rund 75 000 weniger, als die CDU für diesen Zeitraum beantragt hatte.

Debatte um Historische Mitte
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1 von 8Foto: Kitty Kleist-Heinrich
29.07.2009 08:29Die Öde dort, wo ehemals die historische Mitte lag, bietet ein weites Feld für Visionen. Bürgerlich? Repräsentativ? Wie soll...

Buchholz verteidigte die Regelung: Es gelte, „nicht nur die Fläche vor dem Rathaus zu berücksichtigen“, sondern auch den Molkenmarkt dahinter. Die dort verlaufenden Straßen müssten „auf ein stadtverträgliches Maß zurückgebaut“ werden. So entstehe Platz für den Neubau von Wohnungen. Erst danach sei die Zeit reif zur Entwicklung des Rathausforums.

IBA 2020 und die Stadtmitte - die Debatte in Bildern
Neugestaltung des Alexanderplatzes, Wiederaufbau des Stadtschlosses und jetzt die Ausrichtung der Internationalen Bauausstellung 2020: Der Streit um die Rekonstruktion der historischen Stadtmitte gewinnt immer mehr an Fahrt. Doch es sieht so aus, als stünde sie vor dem Aus. Die Debatte in Bildern. 1904 eröffnete an dieser Stelle das Kaufhaus Tietz. Die letzten Überreste des Gebäudes wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Familiennachlass Seega
17.05.2013 19:44Neugestaltung des Alexanderplatzes, Wiederaufbau des Stadtschlosses und jetzt die Ausrichtung der Internationalen Bauausstellung...

Gut möglich ist allerdings, dass die umstrittene Einigung noch kassiert wird: „Die Mitte der Mitte ist kein beliebiges Areal. Wenn wir es ernst meinen, müssen wir früher als 2015 beginnen und das Geld für einen städtebaulichen Wettbewerb in die Hand nehmen“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf. Das Thema habe für die CDU „ Priorität in den Schlussberatungen zum Doppelhaushalt“ in den kommenden Wochen.

Das künftige Stadtschloss - ein Rückblick
Im Juni 1993 wurde eine Attrappe des Stadtschlosses aufgestellt, die das künftige Aussehen des Baus zeigen sollte.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Thilo Rückeis
11.06.2013 16:41Im Juni 1993 wurde eine Attrappe des Stadtschlosses aufgestellt, die das künftige Aussehen des Baus zeigen sollte.

Zu einer treibenden Kraft in der Debatte um die historische Mitte wird auch die Stiftung Zukunft Berlin. Am Dienstag initiierte sie ein hochkarätig besetztes Kolloquium in der Friedrich-Ebert-Stiftung zu dem Thema. Stiftungschef Volker Hassemer sagte, es gehe darum, die „Charakteristik von Berlins Mitte“ zu entwickeln, welche Funktionen sie im Zusammenspiel mit umliegenden Quartieren und im Wechselspiel mit dem neu entstehenden Humboldtforum übernehmen könne – und erst davon die stadtplanerischen und gar architektonischen Konsequenzen abzuleiten.

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