Berlin : CDU und SPD trafen sich an einem geheimen Ort

Zur Sondierung der Frage, ob die Große Koalition fortgesetzt werden kann, trafen sich die Delegationen um 14 Uhr an einem neutralen Ort: Im Verwaltungsgebäude der Berliner Wasserbetriebe, nicht weit weg vom Roten Rathaus, wo die Sozialdemokraten aber nicht tagen wollten. Ebensowenig im Senatsgästehaus. Alles viel zu regierungsnah. Solche Signale will man der Parteibasis momentan ersparen. Als Erster schlenderte der SPD-Landeschef Peter Strieder in das glasverdachte Foyer. Er strahlte. Auch SPD-Fraktionschef Klaus Böger strahlte. Der Köpenicker Bürgermeister Klaus Ulbricht strahlte nicht, weil er ein Mensch ist, der alles ernst nimmt. Jedenfalls, soweit es die Politik betrifft.

Die SPD-Crew blieb wortkarg; am liebsten wäre sie wohl durch die Kanalisation in die Wasserbetriebs-Zentrale eingesickert. Aber es half nichts, Böger musste sich durch die Reporterschar drängen und auf die Frage antworten, was er sich von dem Treffen erwarte: "Unheimlich viel." Im Vergleich dazu war der CDU-Landeschef Eberhard Diepgen, der fünf Minuten später eintraf, eine Plaudertasche. Die CDU habe einen klaren Regierungsauftrag, man werde sehen, ob schon das erste Sondierungsgespräch zu Koalitionsverhandlungen führe. Er sei optimistisch, weil es keine Alternative zur Großen Koalition gebe. Er hoffe sehr, dass möglichst bald ein handlungsfähiger neuer Senat gebildet werde. Dann verschwand auch Diepgen, den Fraktionschef Kaus Landowsky und Generalsekretär Volker Liepelt im Gefolge, im Fahrstuhl.

Drei Stunden saßen die Sondierungs-Delegationen beisammen. In der fünften Etage, sorgfältig abgeschirmt. Auch die Parteisprecher mussten draußen bleiben. Dreimal wurde während des Treffens gelacht. Um 16.25 Uhr, um 16.40 Uhr und ganz zum Schluss. Warum? Das unterlag der Vertraulichkeit, die man vereinbarte. Die "Zukunftsfragen der Stadt" seien besprochen worden, verriet Diepgen im Wasserbetriebe-Foyer vor den flugs aufgebauten Mikrofonen, die nach fünf Minuten wieder abgebaut werden konnten. Über "Schwerpunkte der Stadtpolitik" und "neue soziale Ausgleiche" sei geredet worden, ergänzte Strieder. Eine Empfehlung zur Fortsetzung der Großen Koalition könne er seiner Partei jetzt noch nicht geben. Diepgen nahm diese Äußerung recht gelassen hin.

Draußen, vor der Tür, wurde noch ein wenig geplaudert, unter Wahrung der Vertraulichkeit. "Wo ist denn Landowsky, mit dem muss ich noch reden", fragte Diepgen. Landowsky kam. Es sah ganz so aus, als hätten beide Parteiführungen nach dieser Sondierung einen erheblichen Beratungsbedarf. Trotz alledem, er bleibe optimistisch, es gebe keine Alternative zur Großen Koalition, sagte Diepgen noch rasch. Und fügte, etwas sibyllinisch, den Satz hinzu: "Was die Alternativen dazu betrifft, habe ich auch keine besonderen Befürchtungen." Auch für den Ernstfall, sollte das wohl heißen, sei die CDU gut gerüstet.

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