Berlin : CDU vor der Wahl: Fraktionschef oder in den Bundestag ?

Ulrich Zawatka-Gerlach

Was wird aus Frank Steffel, wenn das Wahlergebnis für die CDU so katastrophal ausfällt wie die aktuellen Meinungsumfragen? Eines ist klar: Er wird dann nicht Regierender Bürgermeister von Berlin. Aber von dieser Vorstellung haben sich die Union und ihr Spitzenkandidat schon seit Wochen innerlich gelöst. Es hätte - mangels Koalitionspartner - der absoluten Mehrheit der Stimmen bedurft, die verlorene Regierungsmacht neu zu erobern. Einen solchen Wahlerfolg haben die Christdemokraten nicht einmal zu ihren besten Zeiten, mit Richard von Weizsäcker als Spitzenkandidaten, in West-Berlin errungen.

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Steffel wird auch nicht den CDU-Landesvorsitz von Eberhard Diepgen übernehmen. Der kann sich jetzt Zeit lassen, die Parteiführung abzugeben. Schon deshalb, um nicht als stabilisierendes Element verloren zu gehen und zerstörerische Flügelkämpfe zu verhindern, wenigstens zu behindern. Ob der 35-jährige Unternehmer Steffel Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus bleibt, ist ungewiss, aber nicht ausgeschlossen. Seine Partei muss ihm dankbar sein, den "Knochenjob" der Spitzenkandidatur aus dem Stand heraus übernommen zu haben, auch wenn er im Wahlkampf viele Anfänger-Fehler gemacht hat. Aber die CDU-Basis wollte einen Berliner Kandidaten, um damit die personelle Erneuerung des Landesverbandes zu signalisieren; jetzt kann sie sich nicht undankbar zeigen.

Sollte Steffel für die Union allerdings wirklich nur 25 Prozent der Wählerstimmen einfahren, wäre dies ein hoher Autoritätsverlust. Er wäre ein stark geschwächter, angreifbarer Oppositionsführer. Das wird seine Partei, aber auch er selbst nicht wollen. Ersatzweise könnte Steffel 2002 in den Bundestag einziehen. Eine solche Kandidatur hat er im vergangenen Jahr mit den Parteifreunden im Kreisverband Reinickendorf für den Fall ausgehandelt, dass er nicht zeitnahe die Nachfolge von Klaus Landowsky als CDU-Fraktionschef antreten darf. Dann entwickelten sich die Dinge anders und schneller als gedacht. Die Option für den Bundestag könnte nach der Wahl erneuert werden.

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