Berlin : CDU-Vorstand verärgert

Parteiführung streitet über Henkel und Grütters

Nicht alle in der CDU freuen sich über das Angebot von Frank Henkel und Monika Grütters, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Vorstandsmitglieder der Südwest-CDU kündigten am Freitag Protest gegen das Kandidatenauswahlverfahren an. Man wolle das Verfahren rügen, sagte CDU-Landesvorstandsmitglied Manfred Wilke vor der Sitzung obersten Parteigremiums.

Geplant war, dass Henkel und Grütters am Abend dem Vorstand als Kandidaten vorgestellt werden. Der Vorstand sollte dann auch über das Konzept der Perspektivkommission entscheiden. Diese hatte am Mittwoch Henkel als Kandidaten für den Landesvorsitz präsentiert und Grütters als seine erste, herausgehobene Stellvertreterin. Außerdem schlug die Kommission vor, Henkel kurz nach den Herbstferien einem Kleinen Landesparteitag zur Wahl zu stellen. Der mutmaßliche neue Landeschef und Grütters versprachen am Mittwoch auch Regionalkonferenzen, um die Basis zu gewinnen und über einige offene politische Streitfragen zu diskutieren.

In der Südwest-CDU, dem mitgliederstärksten Kreisverband der Berliner Union, finden offenbar viele die Reihenfolge falsch. Kreischef Michael Braun hatte schon vor Tagen kritisiert, dass sich die Partei unter Zeitdruck habe setzen lassen. Er wollte erst Regionalkonferenzen, dann eine Entscheidung. Wilke sagte am Freitag, der Landesvorstand habe beschlossen, dass Kandidaten nominiert würden, wenn sie sich auf Regionalkonferenzen vorgestellt hätten. Stattdesssen habe die Perspektivkommission am Mittwoch Henkel und Grütters präsentiert. Früher sei immer die „Hinterzimmerpolitik“ der CDU-Kreischefs kritisiert worden, so Wilke. Jetzt mache die Perspektivkommission Politik „mit offenen Hinterzimmern“.

Schlecht für das Image der Partei ist nach Auffassung Wilkes auch, dass am Auswahlverfahren von Henkel und Grütters auch Eberhard Diepgen und Klaus Landowsky beratend teilgenommen hatten. Die beiden Politiker, mit denen die Krise der CDU im Jahr 2000 begonnen hatte, sollten sie nun lösen? Das sein für die Berliner CDU imageschädigend, so Wilke. wvb.

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