• Champagnerhaus ehrt inspirierende Frauen im SohoHouse: Ein Kommunikationshandschuh für Taubblinde und Hilfe für Inderinnen

Champagnerhaus ehrt inspirierende Frauen im SohoHouse : Ein Kommunikationshandschuh für Taubblinde und Hilfe für Inderinnen

Eine plastische Chirurgin reist regelmäßig nach Indien, um Frauen zu operieren, die zu wenig Mitgift hatten und deshalb angezündet wurden. Eine Berliner Professorin öffnet Taubblinden Welten und ließ sich dazu von der Smartphone-Technik inspirieren. Für ihr Engagement und ihre Kreativität wurden sie ausgezeichnet. .

von und Elisabeth Binder
Foto: promo
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Sie öffnete Taubblinden das Internet und kämpft für mehr Jugendarbeit in der digitalen Welt: Gesche Joost ist Designprofessorin an der Universität der Künste. Am Montagabend war sie als eine der Finalistinnen beim „Prix Veuve Clicquot 2014“ im Soho House dabei. Mit ihm werden „Women of Inspiration“ geehrt: inspirierende Frauen.

Normalerweise brauchen Taubblinde die Hilfe eines anderen Menschen, um sich verständlich zu machen. Mit Hilfe eines speziellen Alphabets buchstabieren sie ihm das, was sie zu sagen haben, in die Hand, so dass der es dann weitergeben kann. Gesche Joost hat, inspiriert von der Smartphone-Technik, mit ihren Studenten einen Kommunikationshandschuh mit Textilsensoren entwickelt, mit dem Taubblinde nun in der Lage sind, selbst Mails zu schreiben und mit Menschen in der ganzen Welt zu kommunizieren. Als der Prototyp zum ersten Mal ausprobiert wurde, war das für sie „ein sehr berührendes und emotionales Erlebnis: Da ging eine Welt auf.“ Auch für Schlaganfallpatienten und gebrechliche Menschen hat die Designprofessorin eine Hilfe entwickelt. Bislang mussten sie ein Warngerät mit rotem Knopf um den Hals tragen, um im Falle eines Sturzes Hilfe herbeizuholen, Jetzt reicht es, eine Strickjacke aus leitendem Garn zu tragen, mit einem Klettverschluss. Dank Bluetooth müssen Betroffene keinen hilfebedürftigen Anblick mehr bieten.

Der Einsatz für eine inklusive digitale Gesellschaft ist aber längst nicht alles, was die 39-jährige Professorin umtreibt. Seit Sigmar Gabriel sie im Frühjahr bat, als Internet-Beauftragte der Bundesregierung in Brüssel zusammen mit anderen „Digital Champions“ auf Europa-Ebene die Zukunft im Netz abzustimmen, setzt sie sich besonders für ein Bündnis für digitale Arbeit ein. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit und der Fachkräftemangel in IT- Berufen müssten sich aus ihrer Sicht zusammenführen lassen. Im Rahmen einer europaweiten Code-Woche will sie im Oktober zudem die Idee verbreiten, dass Programmieren Spaß macht und spielerische Aspekte hat. Hierbei helfen unter anderem interaktive Voodoo-Puppen.

Neben Gesche Joost waren vier weitere Frauen zur Preisfeier geladen, im Gedenken an die Witwe Clicquot, die 1805 das Champagnerhaus ihres verstorbenen Mannes übernahm. Neben der Unternehmerin Nelly Kostadinova die Regisseurin Feo Aladag, außerdem Ulla Holthoff, die erste Frau, die im Fernsehen ein Fußballspiel kommentierte und die Mutter von Mats Hummels ist. Ausgezeichnet wurde schließlich die plastische Chirurgin Constance Neuhann-Lorenz. Sie reist regelmäßig nach Indien, um Frauen zu operieren, die angezündet wurden, weil sie zu wenig Mitgift hatten. Elisabeth Binder

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