Berlin : Charité: Aufsichtsrat stimmt hartem Sanierungskurs zu

Ingo Bach

Die Charité hat nun einen offiziellen Sanierungsplan bis 2010, der der Klinik zum Teil harte Einschnitte abverlangt. Am Freitag stimmte der Aufsichtsrat der Charité dem Konzept des Vorstandsvorsitzenden Detlev Ganten zu. Wie berichtet, muss die Charité bis zum Jahr 2010 schrittweise rund 212 Millionen Euro ihres jetzigen Budgets einsparen. Zum einen verringert der Senat seinen Zuschuss zur Forschung und Studentenausbildung um fast 100 Millionen Euro. Zum anderen muss das Klinikum dann mit weniger Geld von den Krankenkassen für die Patientenversorgung auskommen.

Die Sparsumme will der Charité-Vorstand mit Umstrukturierungen und mehr Einnahmen wettmachen – und mit einem massiven Personalabbau. Die derzeit 11 000 Vollzeitstellen (die sich auf rund 15 000 Beschäftigte verteilen) sollen in fünf Jahren auf 8700 reduziert werden. Auch die Zahl der Professoren soll sinken – von 220 auf 175.

Bei dem Abbau wolle man betriebsbedingte Kündigungen unbedingt vermeiden, sagte der Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) auf einer Pressekonferenz. Viel hänge aber davon ab, ob man sich mit der Gewerkschaft auf einen Tarifvertrag einigen könne, der auch „einen Beitrag der Beschäftigten zur Sanierung der Charité enthält“, so Klinikumsdirektor Behrend Behrends. Verhandlungen würden aber noch nicht geführt. Gegen einen Lohnverzicht protestierten am Rande der Aufsichtsratssitzung in der Charité in Mitte bereits einige Personalvertreter.

Darüber hinaus will das Management die jetzt 128 Kliniken und Institute der Charité zu 17 relativ selbstständigen Zentren – etwa zu einem chirurgischen Zentrum, einem Zentrallabor oder einem kopfmedizinischen Zentrum – vereinen. So will man die Leitungsstrukturen effizienter machen. Doch durch diese Zusammenführung werden auch die Wege mancher Patienten länger. Man werde aber die Behandlungsbreite in den vier Hauptstandorten nicht einschränken, sagte Klinikumsdirektor Behrends. Aber alle außerhalb dieser Standorte angesiedelten Einrichtungen würden auf eine Verlagerung in die Haupthäuser geprüft. So wird die Charité die Psychiatrie von der Eschenallee in Charlottenburg abziehen und plant auch die Verlagerung der Dermatologie aus der Fabeckstraße in Dahlem.

Insgesamt 100 000 Quadratmeter will die Charité freiziehen, „das sind 25 Fußballfelder“, sagt Behrends. Allein dadurch reduzierte sich der Investitionsbedarf von 515 Millionen auf 427 Millionen Euro. Die Immobilien will die Charité an eine Immobilienfirma veräußern, an der das Klinikum beteiligt ist.

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