Berlin : Charité baute weniger Stellen ab als geplant

Ingo Bach

Der Charité-Vorstand muss seine Planung für den Personalabbau 2005 nach unten korrigieren. Statt der rund 400 Vollzeitstellen, die laut Unternehmenskonzept in diesem Jahr gestrichen werden sollten, werde man nur 200 schaffen, sagt der Klinikumsdirektor Behrend Behrends dem Tagesspiegel. Laut Geschäftsbericht des Vorstandes waren an dem Klinikum Ende Juni 10939 Vollstellen besetzt – das sind ganze zwei weniger als im Januar 2005. Die beschlossene Reform der Struktur des Unternehmens hätte im ersten Halbjahr noch nicht greifen können, erklärt Behrends die Verzögerungen. Doch dafür müsse die Charité das Abbautempo im kommenden Jahr erhöhen. 2006 wollte das Klinikum ursprünglich 320 Stellen streichen.

Dabei läuft die Personalreduzierung mit dem so genannten „goldenen Handschlag“ besser als geplant. Laut einer internen Aufstellung der Charité haben bis Ende Juli 2005 bereits 100 Mitarbeiter einer Aufhebung des Arbeitsvertrages zugestimmt – dafür zahlt das Klinikum insgesamt rund 3,6 Millionen Euro an Abfindungen. Weitere 170 Verfahren befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Prüfung. Das ist weit mehr als erwartet. Ursprünglich sollten laut Unternehmenskonzept in diesem Jahr 60 Mitarbeiter mit einer Abfindung aus dem Unternehmen ausscheiden. Bis 2010 will die Charité so 355 Stellen abbauen – und hat dafür 49 Millionen Euro zurückgestellt.

Auf der anderen Seite hat das Klinikum in den vergangenen zwei Jahren 17 außertariflich entlohnte Mitarbeiter eingestellt, darunter einige, die ein Jahresgehalt von mehr als 100 000 Euro erhalten. „Solche Verträge sind auf fünf Jahre begrenzt“, sagt Klinikumsdirektor Behrends. Da dies Leitungsfunktionen seien, müsse man entsprechend zahlen.

Auf der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates soll der Charité-Vorstand ein überarbeitetes Unternehmenskonzept bis 2010 vorlegen. Wie berichtet droht dem Klinikum bis dahin eine Finanzierungslücke von 246 Millionen Euro – 34 Millionen Euro mehr als noch vor einem halben Jahr geschätzt. Dieses Konzept war eine Vorbedingung der Gewerkschaften, um weiter über einen Lohnverzicht der Mitarbeiter zu verhandeln.

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