Berlin : Charité: Bund streicht Zuschuss für neues Forschungszentrum

Die Charité muss beim Aufbau ihres klinischen Forschungszentrums zur Erprobung neuer Erkenntnisse in der Krankenversorgung in Buch mit wesentlich weniger Geld auskommen, als bisher vorgesehen war. Auf der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses im Abgeordnetenhaus wurde bekannt, dass der Bund sieben Millionen Euro aus der Gemeinschaftsfinanzierung mit dem Land Berlin zurückgezogen hat. Offenbar befürchtet man beim Bund, die privaten Helios-Kliniken könnten im Rahmen des Projektes durch die mit Steuergeldern für Forschung und Lehre ausgestattete Charité quersubventioniert werden. Das „Experimental and Clinical Research Center“ (ECRC) wird seit Anfang 2007 von der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin in Zusammenarbeit mit den Helios-Kliniken betrieben. Diese übernehmen die stationäre Versorgung.

Vor dem Hauptausschuss deutete Staatssekretär Gerhard Husung den eingetretenen finanziellen Schaden nur an. Insgesamt soll der Aufbau des ECRC rund 30 Millionen Euro kosten. Husung betonte, die Kooperation zwischen der Charité, dem Max-Delbrück-Centrum und den Helios-Kliniken in Buch sei von existenzieller Bedeutung. Der Vorsitzende der Charité, Detlef Ganten, ergänzte: Wenn es Berlin nicht gelänge, in Buch „eine reibungslose Zusammenarbeit in den Forschungseinrichtungen mit einer privaten Klinik in einem marktwirtschaftlichen System zu organisieren, dann schaffen wir das in ganz Deutschland nicht".

Der CDU-Abgeordnete Christian Goiny erklärte, Helios habe zwar Vorteile von der Kooperation, aber welchen strategischen Fortschritt die Charité davon habe, erkenne er nicht. Für die Grünen und die FDP ist der Verdacht der Quersubventionierung zugunsten von Helios bislang nicht aus der Welt geschafft worden. Aus Sicht des grünen Abgeordneten Joachim Esser muss ein völlig neuer Kooperationsvertrag mit klaren Regeln und Kostenerstattungen formuliert werden.

Inzwischen durchforsten der Rechnungshof und ein Wirtschaftsprüfer sämtliche Akten auf den Verdacht hin. Im April soll der Bericht des Wirtschaftsprüfers vorliegen. Im Mai will der Hauptausschuss diese Fragen erneut erörtern. U.S.

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