• „Charité nicht in einer Notlage“ Verdi hält Uniklinik und Vivantes für unvergleichbar

Berlin : „Charité nicht in einer Notlage“ Verdi hält Uniklinik und Vivantes für unvergleichbar

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Was vor einem Jahr möglich war, klappt nun nicht mehr. Im Juni 2004 handelte der landeseigene Klinikkonzern Vivantes mit der Gewerkschaft Verdi noch erfolgreich einen Notlagentarifvertrag aus. Durch den Verzicht der rund 12 000 Beschäftigten auf Urlaubs und Weihnachtsgeld spart das Unternehmen jährlich rund 32 Millionen Euro. Doch für die Charité funktioniert das nicht mehr. Wie berichtet, hat Verdi die Verhandlungen jetzt abgebrochen. Mit einem Nottarif wollte die Charité die Personalkosten um jährlich rund 40 Millionen Euro reduzieren. Nun drohen betriebsbedingte Kündigungen. Was hat sich verändert?

Das sei kein Zeichen einer neuen Härte bei der Gewerkschaft, sagt Georg Güttner-Mayer, Krankenhausfachmann bei Verdi Berlin. Beide Fälle seien nicht vergleichbar. „Vivantes stand nachgewiesenermaßen vor der Insolvenz. Die Charité dagegen ist laut einem unabhängigen Gutachten nicht in einer Notlage.“ Das allerdings bestreitet der Charité-Vorstand: Wegen der Kürzungen des Landeszuschusses und der zu erwartenden Erlösrückgänge drohe in den nächsten fünf Jahren die Zahlungsunfähigkeit des Klinikums, wenn man nicht gegensteuere, teilte der Vorstand den Mitarbeitern mit.

Darüber hinaus sei Vivantes noch immer tarifgebunden und habe zum Beispiel auch die tariflichen Lohnerhöhungen von 2003 gezahlt, sagt Verdi-Mann Güttner-Mayer. „Die Charité dagegen hat die Tarifsteigerungen von 2003 und 2005 nicht mitgemacht und allein dadurch jährlich 20 Millionen Euro Personalkosten gespart.“

Die Gewerkschaft sei weiter gesprächsbereit, sagt Güttner-Mayer. „Aber über einen Nottarif verhandeln wir nicht.“ Den Druck der angekündigten Entlassungen spüre Verdi. Damit versuche der Charité-Vorstand seit Dezember, Zugeständnisse zu erreichen. „Die Frage ist nur, wer dem Druck länger standhält.“ I.B.

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