Berlin : Charité-Patient blieb drei Tage lang im Aufzug gefangen

Rollstuhlfahrer (68) verschwand vor Untersuchung und wurde trotz Suche der Polizei nicht entdeckt

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Mehr als drei Tage lang hat ein 68-jähriger Charité-Patient in einem defekten Aufzug des Benjamin-Franklin-Klinikums verbringen müssen. Am Freitagmittag war der Rollstuhlfahrer mit dem Krankentransport von seinem Seniorenstift zur Augenuntersuchung in die Klinik gebracht worden. Doch als die Ärztin ihn aufrief, war er im Wartezimmer nicht zu finden.

Erst als am Freitagabend ein Mitarbeiter des Seniorenstifts im Klinikum anrief, um sich nach dem Verbleib von Karlheinz S. zu erkundigen, begann die Suche nach dem Mann. Um 22.45 Uhr ging die Vermisstenanzeige bei der Polizei ein. Nachdem der Patient auch am Sonnabend nicht gefunden wurde, startete die Polizei am Samstagabend eine dreistündige Suchaktion. 16 Beamte durchkämmten mit Suchhunden das Klinikum und die Außenbereiche – erfolglos.

Als am Montagabend dann eine Schwester leise Klopfgeräusche aus einem der Aufzüge im Klinikum hörte, bemerkte das Personal, dass der Fahrstuhl mehr als drei Tage lang defekt war. Wenig später war Karlheinz S. aus seinem Gefängnis befreit, erste Untersuchungen ergaben, dass er keine größeren gesundheitlichen Schäden davongetragen hatte.

„Wir sind glücklich, dass es dem Patienten gut geht“, sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele gestern dem Tagesspiegel. Man werde nun alles tun, um aufzuklären, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Alle Fahrstühle seien mit Alarmknöpfen ausgestattet – der Knopf des Aufzugs, in dem Karlheinz S. festsaß, habe funktioniert. Ob der 68-Jährige den Knopf von seinem Rollstuhl aus möglicherweise nicht erreichen konnte oder ihn aus einem anderen Grund nicht drückte, müsse noch untersucht werden. Ebenso unklar sei, warum sich der Mann in den Fahrstuhl begeben hatte. Dass niemand den tagelang defekten Aufzug bemerkte, begründete Endele damit, dass es einer von mehreren Aufzügen gewesen sei. „Die liegen nebeneinander und werden durch denselben Knopf gerufen“, sagte die Charité-Sprecherin. „Deshalb kam immer ein Aufzug, wenn gedrückt wurde.“

Der Familie von Karlheinz S., die sich tagelang um den Verschwundenen sorgte, reicht diese Erklärung nicht. Sie prüft eine Anzeige gegen das Klinikum. Auch für die Polizei ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Sie ermittelt derzeit die näheren Umstände.

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