Charité : Pfleger befürchten Lohndumping

Gewerkschaft Verdi ruft heute zu Protestaktion am Charité-Standort Steglitz auf.

Hannes Heine

Der Streit an der Charité spitzt sich zu. Nachdem sich Mitarbeiter vergangene Woche wegen Überstunden und steigender Arbeitsbelastung beschwert hatten, wollen Pflegekräfte heute vor dem Charité-Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz demonstrieren. Für die Mittagsstunden ruft die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Beschäftigten des Universitätsklinikums zum Protest gegen „Lohndumping und Stellenabbau“ auf: Bis zu hundert Mitarbeiter werden dazu an der Nordrampe und am Westeingang des Klinikgeländes erwartet.

Verdi und der Personalrat kritisieren, dass die Charité ein weiteres Tochterunternehmen gründen wolle, um den erst 2006 mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifvertrag zu unterlaufen. Der Vertrag hatte die bis dahin geltenden Gehaltsunterschiede zwischen Mitarbeitern aus Ost- und West-Berlin weitestgehend aufgehoben. „Jetzt soll mit einer neuen Arbeitnehmerüberlassungsgesellschaft erneut weniger Lohn gezahlt werden“, sagte Verdi-Experte Werner Koop. Die Klinikleitung bestätigte dies gestern nicht. „Wir prüfen erst, ob es eine solche Gesellschaft überhaupt geben soll“, sagte eine Sprecherin der Charité.

Gewerkschafter befürchten, dass die Beschäftigten der Tochterfirma nicht gemäß dem derzeit gültigen Haustarifvertrag bezahlt würden, sondern nach dem Zeitarbeitstarifvertrag – und damit mehr als zehn Prozent weniger Lohn bekämen als ihre schon derzeit bei der Charité angestellten Kollegen.

Die Gewerkschaft erklärte, dass durch solche Vorhaben das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ unterlaufen werde und sich die Stimmung unter den Beschäftigten weiter verschlechtern könne. Angesichts der anhaltenden Beschwerden des Pflegepersonals über Arbeitsüberlastung sei das Vorgehen der Krankenhausleitung „unverantwortlich“. Die Charité versuche mit dem Einsatz von Leiharbeitern dem Mangel an dringend benötigten Fachkräften zu begegnen, hieß es vom Personalrat.

Am kommenden Mittwoch plant Verdi zwischen 8 und 10 Uhr vor der Charité-Zentrale in Mitte zu demonstrieren. Am Donnerstag dieser Woche soll es dann Proteste am Virchow-Klinikum in Wedding geben. Hannes Heine

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