Berlin : Charité spart – an Betten und Professoren

Ingo Bach

Wegen ihrer wachsenden Defizite muss die Charité mehr schrumpfen als geplant. Das Universitätsklinikum werde an seinen drei Hauptstandorten bis 2010 weitere 400 Betten abbauen, von jetzt rund 3200 auf 2800, sagte Klinikumsdirektor Behrend Behrends dem Tagesspiegel. Ein Grund sei, dass eine Kooperation mit der Bundeswehr nicht geklappt habe.

Drei Jahre lang hatten das Universitätsklinikum und das Bundeswehrkrankenhaus in der Scharnhorststraße in Mitte über einen gemeinsamen Neubau verhandelt. Beide Seiten wollten profitieren: Die Charité, die einen Neubau bekommen und durch die gemeinsame Nutzung mehr Krankenhausbetten behalten hätte, und das Bundeswehrkrankenhaus, das mehr Zivilisten hätte behandeln dürfen. Die Bundeswehr habe schließlich das Interesse an dieser Kooperation verloren, sagt Behrends. Sichtbares Zeichen dieser Entwicklung sind die Bauarbeiten, die jetzt auf dem Gelände des Bundeswehrkrankenhauses begonnen haben. 89 Millionen Euro verbaut die Klinik dort, etwa für ein neues Bettenhaus und ein Gebäude, in dem später die Radiologie, die Infektionsabteilung und die Intensivstation unterkommen. Bis 2007 sollen die ersten Projekte fertig sein, sagte ein Bundeswehrsprecher.

Auch an anderer Stelle muss die Charité abspecken. Derzeit werde diskutiert, ob tatsächlich alle Charité-Abteilungen Hochleistungsmedizin-Kliniken bleiben müssten, sagt Klinikumsdirektor Behrends. Es sei vorstellbar, Standorte in weniger gut ausgestattete Portalkliniken umzuwandeln. Sie müssten Patienten innerhalb des Krankenhausverbundes aufnehmen und die weniger komplizierten Fälle behandeln. Patienten mit schweren Erkrankungen, für die aufwändige Therapien oder komplizierte Eingriffe nötig sind, würden dann in hochleistungsmedizinische Abteilungen innerhalb des Verbundes verlegt. „Dies würde natürlich auch bedeuten, dass die Chefärzte in den Portalkliniken keine Professoren mehr sein müssten“, sagt Behrends.

Derzeit sind an der Charité rund 130 Professoren beschäftigt. Von diesen Chefarztposten sollen bis 2010 rund 30 Prozent eingespart werden. Würden von den verbleibenden Chefärzten einige ihren Professorenstatus verlieren, so ließe sich weiteres Geld einsparen, weil solche Privilegien wie Beamtenstatus oder die Abrechnung von Privatpatienten für die eigene Kasse wegfielen.

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