Charité : Streit um Nadelstiche

Die Vorwürfe, die Reinigungskräfte in der Charité seien nicht ausreichend geimpft, weist die Klinik mit einer neuen Studie zurück: Die Mehrheit von ihnen sei gegen Gesundheitsrisiken abgesichert.

Liva Haensel

Im Streit um den Impfstatus der Charité-Reinigungskräfte haben das Uniklinikum und die Gewerkschaft IG Bau ihre gegensätzlichen Positionen bekräftigt. Die Charité ließ jetzt den Impfstatus ihrer Reinigungskräfte durch den hausinternen Arbeitsmedizinischen Dienst untersuchen. Das Ergebnis: 82 Prozent der 605 Reinigungskräfte seien vor Infektionen geschützt. 399 seien geimpft, 97 besäßen eine „natürliche Immunität“, weil sie bestimmte Krankheiten bereits hatten und 109 Mitarbeiter hätten die freiwillige Impfung nicht in Anspruch genommen.

Die IG Bau geht allerdings aufgrund einer internen Liste zu Vorsorgeuntersuchungen und Aussagen von Mitarbeitern nach wie vor davon aus, dass nur 93 von 902 Mitarbeitern geschützt seien. Vergangene Woche hatte die Gewerkschaft der Charité-Tochtergesellschaft Charité Facility Management (CFM) mangelnde Hygienevorsorge bei ihren Reinigungskräften vorgeworfen. Die CMF–Reinigungskräfte versorgen alle Charité-Standorte und reinigen dort hochinfektiöse Stationen, wo sie mit Blut und infizierten Spritzen in Berührung kämen. Die IG Bau warf der CFM vor, den häufig nicht deutschsprechenden Mitarbeitern keine ausreichenden Einweisungen auf den Stationen zu geben und sie mit „Dumping-Lohn“ und Kurzzeitverträgen abzuspeisen. Laut Verdi verdient eine Reinigungskraft in der Charité monatlich 1000 Euro brutto mit einer Vertragsdauer von drei bis 24 Monaten.

Dass die Charité von 605 Reinigungskräften spricht, die IG Bau aber von 902, liege an der hohen Fluktuation der Mitarbeiter bei der CFM, sagte IG-Bau-Bildungsreferent Lars Dieckmann. Der Betriebsrat warte seit Monaten auf einen festen Stellenplan. Eine genaue Mitarbeiterzahl gebe es nicht, sagte CFM-Sprecherin Petra Krüger.

Aus der Liste der CFM, die dem Tagesspiegel vorliegt, geht hervor, dass die meisten Angestellten im Zeitraum von 1988 bis Juli 2008 weder geimpft waren noch medizinisch untersucht wurden. „Die Liste ist schlampig geführt und weist erhebliche Mängel auf“, sagte Dieckmann. Durch die Vorwürfe sei eine Impfwelle ins Rollen geraten, viele Mitarbeiter seien aber noch gefährdet. CMF-Sprecherin Krüger sieht „keinen Handlungsbedarf“. „Wir werden uns aber bemühen, den Mitarbeitern die Bedeutung der freiwilligen Untersuchungen und Impfungen stärker zu vermitteln.“ Liva Haensel

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