Berlin : Charité wird zum weißen Haus

Architekten gewinnen Wettbewerb zur Sanierung Senatsbaudirektorin: „Entwurf leider nüchtern“.

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Simulation: Charité
Simulation: Charité

Der Bettenturm der Charité wird weiß. Das 82 Meter hohe, weithin sichtbare Wahrzeichen der Klinik soll im kommenden Jahr grundlegend umgestaltet werden. Die Bauarbeiten am Hochhaus in der Luisenstraße in Mitte beginnen nach Tagesspiegel-Informationen im Oktober 2013. Nach einem Wettbewerb hat sich der Entwurf der Hamburger Architekten Schweger & Partner durchgesetzt. Deren Büro wurde von der zuständigen Jury für das Bauvorhaben empfohlen. Die jetzt anstehenden Verhandlungen zwischen Bauherren und Architekten sollen im Juli abgeschlossen werden. Die von den Hamburgern entworfene Fassade gilt als vergleichsweise leicht zu handhaben. Der Bettenturm wurde 1982 eröffnet und ist seit Jahren sanierungsbedürftig.

Zur Jury, die über die eingereichten Entwürfe entschieden hat, gehörten neben Experten auch Vertreter des Senats. Die Charité ist eine landeseigene Klinik, ihr Vorstand hatte sich lange mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) um das Geld für die Sanierung gestritten. Der Senat hatte für die Umbauten in Mitte 185 Millionen Euro genehmigt, davon 22 Millionen für die Fassade mit 20 000 Quadratmetern – was unter Kennern als knapp gilt.

Dem Vernehmen nach hatte es innerhalb der Jury deshalb Auseinandersetzungen um die Entscheidung gegeben. So soll der Hamburger Entwurf auch gewählt worden sein, weil die entstehenden Kosten besser abzusehen seien als bei einem ebenfalls favorisierten Modell mit metallener Fassade. Jener Entwurf hätte wohl drei Millionen Euro mehr als die zugelassenen 22 Millionen Euro gekostet. „Die technische Machbarkeit, die Einhaltung des Kostenrahmens und die zeitliche Umsetzbarkeit sind unverzichtbare Voraussetzungen, die schließlich mit ausschlaggebend waren, sich für den nun zu realisierenden Entwurf zu entscheiden“, sagte der Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagte auf Anfrage: „Leider wurde der architektonisch nüchternere Entwurf ausgewählt.“ Tröstend sei aber, dass die Fassade des Hamburger Architekturbüros „einen höheren Komfort für die Patienten bietet“: Der Sonnenschutz ist zwischen zwei Fassadenschichten angebracht und kann deshalb variabler bedient werden. Beim favorisierten Entwurf erhält das rostbraune Gebäude eine Verkleidung aus weißen Faserzementplatten, die sich wie ein Kittel über die Fassade legen. Der Sockel des Gebäudes wird aus roten Klinkersteinen gebildet. Insgesamt erhält das Gebäude eine der für Berlin typischen einheitlichen Lochfassaden. Patienten und Besucher sollen es auch wegen geplanter Sessel vor den zu öffnenden Fenstern angenehmer haben. Lüscher sagte außerdem: „Man muss die Entscheidung auch akzeptieren, weil die Charité mit einer Kostenobergrenze von 330 Millionen Euro für die Sanierung aller Standorte einen engen Finanzrahmen hat.“ In den kommenden Jahren werden von dieser Summe auch die Klinikstandorte in Wedding und Steglitz saniert.

Im Wettbewerb waren 20 Architekten zu konkreten Entwürfen aufgefordert worden, nachdem sie in einem europaweiten Auswahlverfahren aus 85 Bewerbern ausgewählt wurden. In die Endauswahl schaffte es neben dem Entwurf in Weiß auch ein Modell, das bronzefarbene Aluminiumplatten als Fassade vorsah, die stärker die Struktur des Gebäudes nachzeichnen sollten. Indem die Profile vertikale Linien bilden, hätte das Haus eine dynamische, weniger blockförmige Gestalt bekommen. Außerdem nehme das Metall je nach Licht wechselnde Farben an.

Die Patientenversorgung soll während der Bauarbeiten sichergestellt werden – in eigenen Interimsgebäuden auf dem Campus. Diese Übergangshäuser sollen ab Januar 2013 errichtet werden. Im März wird der Hörsaaltrakt am Bettenturm abgerissen. Dort sollen neue OP-Säle gebaut werden. Ab September 2013 wird das Hochhaus geschlossen, die Patientenversorgung findet in den Interimsbauten statt. Neubauten und Turm sollen erst 2016 für den Betrieb offen sein. Von den rund 1000 Krankenbetten in Mitte bleiben 800 übrig.

Um die Zukunft der Charité ist lange gestritten worden. Nußbaum, der neben Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im Aufsichtsratmitglied der Klinik sitzt, hatte einen harten Sparkurs durchgesetzt. Dabei wurde die Kooperation mit den ebenfalls landeseigenen Vivantes-Kliniken vorangetrieben und Stellen gestrichen. Klinikmanager hatten 2002 einen Verkauf des Bettenturmes erwogen. Vor fünf Jahren wurde diskutiert, den Bettenturm in Mitte um sieben Stockwerke zu erhöhen. Die Zusatzräume hätten etwa an Pharmafirmen vermietet werden können. Das Wahrzeichen der Klinik wäre dann 105 Meter groß geworden.

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