Charity-Turnier : Treffer ins Grüne

In den USA ist der Sport schon beliebt. Jetzt wird auch in Berliner Büros für den guten Zweck gegolft.

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Putt, putt. Beim Bürogolfen ist fast alles erlaubt. Hier testet Kirsten Richerzhagen einen Hindernisparcours auf Büroschränken mit Skateboardbrücke.
Putt, putt. Beim Bürogolfen ist fast alles erlaubt. Hier testet Kirsten Richerzhagen einen Hindernisparcours auf Büroschränken mit...Foto: Björn Kietzmann

Kirsten Richerzhagen atmet einmal tief durch. „Ich habe Höhenangst, und dieser Aufbau hier hat schon eine bemerkenswerte Höhe erreicht“, sagt die Mitarbeiterin des Hilfsvereins Cassiopeia. Aber was tut man nicht alles. Schließlich ist das die Generalprobe für das Charity-Bürogolfturnier in den Räumen der Partnerfirma T-Systems Multimedia Solutions (MMS) an der Winterfeldtstraße 21 in Schöneberg. In dem alten Sitz des Fernmeldeamtes entwickeln sonst Softwareexperten neue Projekte für die Zukunft von Tablets & Co. Aber am letzten Tag des Monats wollen sie sich in anderer Weise kreativ zeigen. Da laden Cassiopeia und MMS Mitarbeiter, Geschäftskunden und Interessierte ab 17.30 Uhr zum 9-Löcher-Bürogolfturnier zugunsten eines Hilfsprojektes für HIV-infizierte Kinder auf Jamaika. Und sie appellieren an andere Berliner und Brandenburger Firmen, es ihnen am 28. Februar nachzutun.

Die Idee zum Spaßevent für den guten Zweck haben Vereinsorganisator Björn Schlüter, der auch mal für MMS in Dresden tätig war, und Creative Director Steffen Heym ausgeheckt. Der 31-jährige Heym hat schon Crossgolf auf Stadtparcours gespielt und sagt: „In den USA gibt es einen richtigen Bürogolf-Hype, da treten die Leute teils in der Mittagspause an. Es gibt auch Incentive-Veranstaltungen und Charityturniere“ – jetzt auch in Berlin.

Steffen Heym packt das „Loch“ aus, ein grünes Rund, in dem der Ball verharrt, wenn man es mittig trifft. Das soll am 28. Februar im 5. und 6. Stock öfter passieren, auf kreativen „Plätzen“, unter Schreibtischen entlang und auf Möbelschienen hinauf. „Wir wollen auch den Treppenflur runter spielen und der Ball soll mit dem Aufzug wieder hochgeholt werden“, sagt der 34-jährige Schlüter verschmitzt. Es werde aber nur geputtet, Abschläge seien in dem stylischen Bürokomplex mit den vielen raumhohen Fenstern doch ein wenig riskant.

Die Startgebühr beträgt 49 Euro, eine Spendenbüchse wird aufgestellt, und es gibt auch Preise zu gewinnen. Die jamaikanische Botschafterin Joy Wheeler will einen Geschenkkorb mitbringen, das jamaikanische Restaurant „Rosa Caletta“ stellt einen Gutschein bereit und es gibt Hertha-Tickets. Der Hauptpreis sind ein Tandemfallschirmsprung und natürlich ein Pokal.

Die MMS will laut Heym das Leitmotto der „Corporate Social Responsibility“, der unternehmerischen Verantwortung, ernst nehmen. Denn Hilfe für schwerkranke Mädchen und Jungen werde auf Jamaika dringend gebraucht. Cassiopeia- Mitarbeiterin sowie Kinder- und Jugendcoach Kirsten Richerzhagen ,33, hat die Not der Kinder, von denen viele Waisen sind, auf der Urlauberinsel in der Karibik selbst miterlebt.

Sie hat dort ehrenamtlich einen sozialen Einsatz in der Entwicklungshilfe absolviert. „Viele Familien können sich Medikamente gar nicht leisten“, sagt sie, die „Zweiklassen-Medizin“ habe in dem Land noch eine ganz andere Bedeutung. Medikamente und eine Behandlung von einem der Ärzte in Privatkliniken könnten sich verhältnismäßig wenige Menschen leisten.

Deswegen haben sich jetzt viele Hilfsvereine in aller Welt mit lokalen Initiativen wie „Projects abroad“ zusammengetan – und wollen eine Gesundheitsstation in dem Ort Madelville in Zentral-Jamaika aufbauen. 40 Kinder sollen da zunächst behandelt werden können, Multiplikatoren bei der ärztlichen Versorgung auch von Jugendlichen mit dem HI-Virus und der ausgebrochenen Aids-Erkrankung ausgebildet werden.

Das ist das ernste Anliegen einer Spaßaktion.

- Die Veranstalter des Bürogolf-Turniers wollen Nachahmer animieren, die am 28. Februar auch Charity-Turniere im Bürogolfen organisieren – sie wollen eine Berliner Charity-Bürogolf-Community begründen. Cassiopeia e.V. und Steffen Heym geben gern Tipps zur Ausrüstung. Nur die aufklappbaren „Löcher“ müssen gekauft werden – beim Indoorturnier kann man herkömmliche Schläger verwenden. Einige der 36 Startplätze sind noch frei. Die 49 Euro Startgebühr kommen dem Hilfsprojekt für HIV-infizierte und aidskranke Kinder auf Jamaika zugute. Über alles wird dann in Interviews und in Filmen im Internetblog www.vormorgen.de berichtet. Interessenten für das Turnier am 28. Februar ab 17.30 Uhr in Schöneberg und neue Mitstreiter einer Berliner Charity-Bürogolfturnier-Bewegung melden sich bitte bei: steffen.heym@t-systems.com.

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